Neunter Vortrag

GA 174b/1917-05-11/p029 ·1917-05-11 · original (original)
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Vor Jahren habe ich mich entschlossen, den Wünschen der verschiedenen Mitglieder nach persönlichen Besprechungen entgegenzukommen, den jüngsten und ältesten Mitgliedern gegenüber in der weitgehendsten Weise. Nur in den letzten Jahren, als die Sachen schon so herankamen, mußte von der alten Gepflogenheit manchmal sporadisch abgegangen werden; aber eben nur sporadisch, in Ausnahmen. Trotzdem öfter betont worden ist, daß in dem, was in der Literatur vorliegt, und in dem, was hier in den Vorträgen gesagt wird, reichlich vorhanden ist, was der einzelne gerade zu seiner selbständigen Entwickelung braucht, so daß persönliche Rücksprachen sich nur beziehen konnten auf ein Aussprechen eben von Mensch zu Mensch, wird es immer wieder vorkommen, daß an den persönlichen Verkehr der Mitglieder mit mir das tollste Geflunker — verzeihen Sie den Ausdruck — innerhalb der Gesellschaft sich angliedert, und von den Außenstehenden dann die Wege gesucht werden zu allerlei Verunglimpfungen und Verleumdungen. Mit dem Geflunker meine ich, daß nur allzuoft innerhalb des Kreises der Gesellschaft die Menschen recht geneigt sind, wenn sie so ein gut klingendes Wörtchen haben, dieses gutklingende Wörtchen zu ihrer eigenen tiefen Befriedigung zu brauchen. Wie wohl tut es zum Beispiel doch manchem, wenn er sagen kann: Ich bin ein esoterischer Schüler geworden. — Und wie wohl erst tut es manchem, wenn er sagen kann: Ja, weißt du, das ist etwas ganz Geheimnisvolles, das darf ich dir nicht sagen; darüber darf ich dir ja nichts sagen. — Sich in Szene zu setzen, sich ein gewisses Ansehen zu geben, das steckt hinter manchem Ausdruck, der gebraucht wird, und der dann von den Draußenstehenden oft in recht böswilliger Weise mißbraucht wird. Alle diese Dinge, die jetzt gerade in böswilliger Absicht gebraucht werden, hätten niemals sich abspielen können, wenn nicht in ein falsches Licht gerückt würde dasjenige, was zwar berechtigten Wünschen und vielleicht einem ebenso berechtigten Entgegenkommen dieser Wünsche entspricht, das aber nun angesichts dessen, was die Außenwelt daraus macht, nicht weiter aufrechterhalten werden kann, so schwer es mir auch wird, meine lieben Freunde. Selbstverständlich, in der Gesellschaft kann jeder freundschaftliche Verkehr bestehen, aber die eiserne Notwendigkeit zwingt mich dazu, Privataudienzen einzustellen. Mir tut das insbesondere deshalb leid, weil mancher sagen wird: Warum sollen denn die Unschuldigen mit den Schuldigen leiden? — Aber wenn man in einer Gesellschaft ist, so ist das selbstverständlich ein Karma der Gesellschaft, und es läßt sich die Sache gar nicht anders machen. Alles dasjenige, was sich abgespielt hat in Privatgesprächen, die gesucht worden sind, das ist etwas, was angesichts jener böswilligen Verleumdungen einfach aufhören muß.

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Cite: GA 174b/1917-05-11/p029 · edition original