Neunter Vortrag
Nicht nur jener Erich Bamler, sondern auch noch andere, die aber ebenso «ehrlich» wie er kämpfen, haben vorgebracht und glauben im Grunde, daß ihnen unter allerlei esoterisch genannten Grundsätzen auch dieser gegeben worden wäre: «Sieh alles, was dich umgibt, an im Lichte der Notwendigkeit, wie wenn es notwendig wäre, als ein gegebenes notwendiges Geschick.» Es tut eine Zeitlang wohl, solange man sich innerhalb der Gesellschaft gefördert glaubt, wenn man eine solche Regel bekommen hat, zu sagen: Ich bin ein esoterischer Schüler, denn ich meditiere immerfort: «Sieh alles, was dich umgibt, an im Lichte der Notwendigkeit.» — Aber warum ist denn gerade jenen Leuten diese Regel gegeben, diese Regel angeraten worden? Aus dem einfachen Grunde, weil sie es nach ihrer Seelenverfassung brauchten! Es war ein durchaus nicht in ihre Freiheit eingreifender Ratschlag, sondern ein Ratschlag, dessen Tragweite und dessen Esoterik Sie beurteilen wollen, wenn ich Sie auf folgendes hinweise: Schopenhauer sagt in seiner Preisschrift über die Freiheit des Willens gegen den Schluß seines Aufsatzes, unser Verhalten gegen den Weltlauf und das Schicksal betreffend: «Alles was geschieht, vom größten bis zum kleinsten, geschieht notwendig»; und er spricht von der beruhigenden Wirkung der Erkenntnis des Unvermeidlichen und Notwendigen. Es ist also den Leuten nichts anderes angeraten worden als dasjenige, was selbst Schopenhauer für ein erprobtes Mittel hält, über gewisse Seelendepressionen hinauszukommen.
Cite:
GA 174b/1917-05-11/p032 · edition original