{"corpus":"steiner","locus":"GA 174b/1918-02-23/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aber wir können nicht sagen, daß wir für unser Gefühlsleben in demselben Sinne wach sind wie für unser Wahrnehmungs- und Vorstellungsleben. Es ist nur eine Täuschung, wenn der Mensch glaubt, daß er mit Bezug auf sein Gefühlsleben, sein Affektleben, sein Emotionsleben so wach ist vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wie er es ist in bezug auf sein Wahrnehmen und Denken oder Vorstellen. Wer sich dieser Täuschung hingibt, der tut das deshalb, weil wir ja unsere Gefühle immer mit Vorstellungen begleiten. Wir stellen uns nicht nur die äußeren Dinge vor, stellen uns nicht nur Tisch und Stuhl und Baum und Wolke vor, sondern wir stellen uns auch unsere Gefühle vor; und indem wir uns unsere Gefühle vorstellen, wachen wir in den Vorstellungen der Gefühle. Aber die Gefühle selbst wogen aus unterbewußten Seelentiefen herauf. Für den, der die inneren Seelenvorgänge beobachten kann, wogen die Gefühle, die Affekte, die Emotionen, auch die Leidenschaften nicht in einer größeren inneren Wachheit herauf als die Eindrücke des Traumes. Die Eindrücke des Traumes sind bildhaft. Wir wissen sie ganz genau zu unterscheiden für das gewöhnliche Bewußtsein von den äußeren Wahrnehmungen. Unser Bewußtsein ist den wirklichen Gefühlen gegenüber nicht wacher als dem Traume gegenüber. Würden wir zu jedem Traum gleich beim Erwachen, ohne daß wir zwischen dem Traume und der Vorstellung des Traumes unterscheiden könnten, ebenso eine Vorstellung hinzufügen, wie wir zu unseren Gefühlen einen Gedanken, eine Vorstellung immer hinzufügen, so würden wir auch unsere Träume für Inhalt eines wachen Erlebens halten. An sich selbst sind unsere Gefühle nicht in einem wacheren Zustand erlebt als unsere Träume.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zwolfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-02-23","location":null,"word_count":259,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/174b/1918-02-23/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/174b/1918-02-23/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/174b/1918-02-23/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}