Zwolfter Vortrag

GA 174b/1918-02-23/p028 ·1918-02-23 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Die Trauer, die man empfindet einem älteren Menschen gegenüber, die ist eigentlich persönlich empfundener Schmerz. Ich möchte sagen, es ist weniger Mitgefühlsschmerz, mehr egoistischer Schmerz, eigener egoistischer Schmerz. Denn wenn man vom Gesichtspunkte des schauenden Bewußtseins aus das Verhältnis des hier zurückgebliebenen jüngeren Menschen zu dem älteren Abgeschiedenen bezeichnen will, so kann man sagen: Der ältere Abgeschiedene verliert uns nicht. Wir verlieren nicht den jüngeren Abgeschiedenen; der ältere Abgeschiedene verliert uns, den Zurückgebliebenen, nicht, er nimmt in gewissem Grade die Seele mit, er trägt sie auf seinem weiteren Weg in ihren Kräften mit sich. Er verliert die Hiergebliebenen nicht. Und daher ist dieses Verhältnis zu einem solchen älteren Dahingeschiedenen auch ein ganz anderes als zu einem jünger Dahingeschiedenen. Der älter Dahingeschiedene hat nicht die Tendenz, in der Seele des Hiergebliebenen zu leben, weil er die innere Wesenheit, die Abprägung der inneren Wesenheit mitnimmt.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/174b/1918-02-23/p028.json
Cite: GA 174b/1918-02-23/p028 · edition original