{"corpus":"steiner","locus":"GA 174b/1918-02-24/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Mit alledem hängt etwas zusammen für unsere Zeit, das man ungemein leicht mißverstehen kann. Unsere Zeit ist eine sehr, sehr zwiespältige. Unsere Zeit könnte man, wenn man sie so oberflächlich bezeichnet, leicht eine bloß materialistische nennen. Das ist sie aber nicht allein; die Sache liegt viel komplizierter. Im ganzen kann man sagen: Diese neuere Zeit ist ihrem Grundcharakter nach außerordentlich spirituell, gerade außerordentlich spirituell. Und spirituellere Begriffe, spirituellere Vorstellungen als diejenigen sind, die durch die neuere Naturwissenschaft an die Oberfläche gebracht wurden, hat es in der Menschheitsentwickelung überhaupt noch nicht gegeben. Nur sind diese Begriffe - wenn ich mich so ausdrücken darf — dünn, sind abstrakt. Sie sind in sich, ihrer Substanz nach, durchaus geistig; aber sie sind nicht geeignet, so wie sie auftreten, wenn sie nicht richtig behandelt werden, Geistiges auszudrücken. Diese naturwissenschaftlichen Begriffe, die heute aller Bildung eingeimpft werden, sind ein sehr zweischneidiges Schwert, wenn ich dieses paradoxe Gleichnis gebrauchen darf. Man kann sie so brauchen, wie sie heute von der akademischen Wissenschaft gebraucht werden. Da sind sie zwar spirituell, werden aber nur angewendet auf die äußere materielle Welt, ihre Spiritualität wird verleugnet. Man kann aber diese naturwissenschaftlichen Begriffe auch so anwenden, daß man sie als Meditationsstoff verwendet, daß man darüber meditiert. Dann führen sie am sichersten in die geistige Welt hinein. Würden diejenigen, die heute eine naturwissenschaftliche Weltanschauung haben, nicht zu faul sein, um ihre Begriffe meditativ anzuwenden, so würden diese Menschen mit naturwissenschaftlicher Weltanschauung sehr bald in die Geisteswissenschaft hineinkommen. Nicht an dem Inhalt der naturwissenschaftlichen Vorstellungen, sondern an der Art und Weise ihrer Behandlung liegt es. Die Begriffe sind fein, sind intim, aber die Anwendung durch die Menschen ist eine im materialistischen Sinne gehaltene. Das ist allerdings nicht so ohne weiteres in allen Einzelheiten gleich klarzumachen, aber wir müssen uns verständigen; daher müssen wir schon manche solcher Wahrheiten gewissermaßen nur durch eine Spiegelung an uns herantreten lassen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dreizehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-02-24","location":null,"word_count":312,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/174b/1918-02-24/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/174b/1918-02-24/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/174b/1918-02-24/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}