Dreizehnter Vortrag
Gerade bei der Betrachtung einer solchen Sache zeigt sich, wie eigentlich die Entwickelung — bleiben wir zunächst bei der Menschheit stehen — vor sich geht. Da müssen wir ein bedeutsames Entwickelungsgesetz, das wir von anderen Gesichtspunkten aus auch zu betrachten haben, uns einmal vor die Seele führen. Es ist ja eine ungeheuer oberflächliche Betrachtungsart, wenn man meint, daß die Ereignisse im geschichtlichen Leben einfach so auseinander hervorgehen, daß das, was im Jahre 1918 geschieht, eine Folge ist von 1917, 1916 und so weiter. Das ist eine oberflächliche Betrachtungsweise. Die Dinge vollziehen sich doch ganz anders; sie vollziehen sich so, daß immer dasjenige, was auf geistigem Gebiete geschehen ist, in den nächstfolgenden Zeiten noch weiter wirkt, aber in einer gewissen Weise. Man kann jedes Jahr herausgreifen; sagen wir zum Beispiel das Jahr 1879: so geschieht im Jahre 1880 etwas, was dadurch mitbestimmt ist, daß sich das rückläufig wiederholt, was 1878 geschehen ist; 1881 wiederholt sich rückläufig in einer gewissen Beziehung dasjenige, was 1877 geschehen ist und so weiter. Man kann von jedem Punkte der Menschheitsentwickelung, so widerspruchsvoll das erscheint, ausgehen; man wird immer finden, daß sich frühere Jahresläufe in späteren in wichtigen Impulsen zeigen. Man kann daher erwarten, daß gerade in einem wichtigen Zeitabschnitt dieses Gesetz auch mit einer besonderen Deutlichkeit und Wichtigkeit in die Menschheitsentwickelung eingreift.
Cite:
GA 174b/1918-02-24/p013 · edition original