Dreizehnter Vortrag
Nun, durch alle diese Dinge wollte ich nur darauf hinweisen, daß wir tatsächlich in einem wichtigen Zeitpunkte der Menschheitsentwickelung leben, und daß es schon notwendig ist, manche Dinge in diesem Zeitpunkte ernster zu nehmen, als sie von der gegenwärtigen Menschheit in ihrer Masse genommen werden. Ich habe ja darauf hingewiesen, wie es insbesondere notwendig ist, daß man die normalen spirituellen Impulse in unserer Zeit nicht unbeachtet läßt. So wie diese neuere Zeit sich herangebildet hat, was ist denn in ihr eigentlich tonangebend geworden? Was hat denn wirklich Einfluß gewonnen in dieser neueren Zeit? Was ist denn ausgestrahlt, ich möchte sagen, in die gesamte allgemeine Bildung? Im Grunde genommen nur dasjenige, was auf dem gröbsten Felde der naturwissenschaftlichen Weltanschauung gewachsen ist. Dieses gröbste Feld der naturwissenschaftlichen Weltanschauung hat aber nur die Macht, das Tote, das Unlebendige, niemals das Lebendige zu erfassen, was gerade in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter so unendlich notwendig wäre. Den Zusammenhang solcher Dinge mit den allgemeinen Weltereignissen will man eben durchaus heute noch nicht einsehen. Man will heute noch nicht einsehen, daß, je mehr sich die Menschheit bemüht, nur Begriffe auszubilden, die sich auf das Tote beziehen, man vom Menschen aus auch das soziale, auch das Gemeinschaftsleben zerstört. Notwendig ist, daß man die naturwissenschaftlichen Begriffe in Fluß bringt und sie so belebt, daß sie wirklich anwendbar sein können auf das menschliche Zusammenleben, daß sie gewissermaßen geeignet sind, auch das menschliche Zusammenleben zu erklären.
Cite:
GA 174b/1918-02-24/p016 · edition original