{"corpus":"steiner","locus":"GA 174b/1918-02-24/p021","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Geht man nun durch Geisteswissenschaft ein auf diese zwei Glieder der Zwienatur — man könnte noch weitere Glieder angeben, aber darauf kommt es heute nicht an -, so kann man schon ungeheuer Bedeutsames aus der bloßen Gestalt des Menschen herauslesen, wenn man nur wirklich darauf eingeht. Geisteswissenschaftlich kann man nämlich ersehen, daß dieses menschliche Haupt von der Geburt durch das physische Erdenleben eine Entwickelung durchmacht, die sich nun ebenso von der Entwickelung des übrigen Organismus unterscheidet, wie sich das Haupt schon der Gestalt nach unterscheidet von dem übrigen Organismus. Es ist sehr interessant, wenn man verfolgt, daß sich dieses Haupt drei- bis viermal schneller entwickelt als der übrige Organismus. Wenn man den übrigen Organismus betrachtet, so kann man ihn mit einem gemeinsamen Namen nennen, insofern er hauptsächlich durchorganisiert ist vom Herzen, so daß man dann einen Gegensatz bekommt zwischen dem Kopforganismus und dem Herzensorganismus. Dieser Herzensorganismus entwickelt sich wirklich dreibis viermal langsamer als der Kopforganismus. Würden wir nur Kopf sein, so wären wir ungefähr im siebenundzwanzigsten, achtundzwanzigsten Jahr schon alte Leute, die sich zum Sterben anschicken, weil der Kopf sich so schnell entwickelt. Der übrige Organismus entwickelt sich viermal langsamer, und so leben wir bis in die Siebziger-, Achtzigerjahre hinein. Aber das ändert nichts daran, daß wir tatsächlich eine Kopfentwickelung und eine Herzentwickelung, daß wir diese zwei Naturen in uns tragen. Unsere Kopfentwickelung ist auch in der Regel mit dem achtundzwanzigsten Jahre vollständig abgeschlossen; der Kopf entwickelt sich nicht mehr weiter. Dasjenige, was sich dann entwickelt, ist der übrige Organismus. Der sendet auch von sich aus die Entwickelungsstrahlen in das Haupt herein. Wer nur anzuschauen vermag die Gestalt, Charakteristisches der Gestaltentwickelung, der könnte selbst aus äußerlichen Dingen, wenn auch nicht auf diese Sache selbst kommen, so doch auf die Bestätigung. Darauf kommen muß man allerdings durch Geisteswissenschaft. Aber sehen Sie, wer hat noch nicht ein kleines Kind betrachtet und sich gesagt, wenn er es später wieder gesehen hat: Dieses Kind ist erst in späteren Jahren dem oder jenem so ähnlich geworden. — Das hängt damit zusammen, daß die Vererbungskräfte eigentlich im übrigen Organismus stecken. Der Kopf ist ganz aus dem Kosmos heraus gebildet; und erst wenn die Vererbungskräfte aus dem übrigen Organismus heraus arbeiten, was langsamer geht, dann ähnelt sich auch die Physiognomie des Kopfes dem übrigen Organismus an. Das ist nur ein Beispiel, wie durch die äußeren Tatsachen bestätigt werden kann, was die Geisteswissenschaft findet. Das ist bedeutsam, daß man das festhält: Der Kopf macht in seiner Ausbildung einen viel schnelleren Weg durch als der übrige Organismus.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dreizehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-02-24","location":null,"word_count":418,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/174b/1918-02-24/p021","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/174b/1918-02-24/p021"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/174b/1918-02-24/p021","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}