Dreizehnter Vortrag

GA 174b/1918-02-24/p023 ·1918-02-24 · original (original)
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Damit ist außerordentlich viel gesagt. Die Zeit hat allmählich lauter Ideen ausgebildet, die den Kopf beschäftigen, die das Herz kühl und leer lassen. Sie kommen heute schon, wie gesagt, sporadisch; aber die Dinge werden immer mehr und mehr um sich greifen. Sie können die Probe machen, wenn Sie das Leben beobachten können. Der Mensch ist nämlich durch die Zwiespältigkeit seiner Kopf- und Herzensbildung darauf angewiesen, daß er in seiner Jugend nicht bloß eine Kopfbildung bekommt. In der Jugend kommt ja vorzugsweise der Kopf in Betracht, weil das andere sich langsamer entwickelt. Wenn man den Menschen ebenso erziehen wollte für das übrige wie für den Kopf, so müßte man ihn das ganze Leben in die Schule nehmen. Man kann in der Schulerziehung nur den Kopf behandeln. Aber heute behandelt man den Kopf so, daß dieser Kopf geistig-seelisch nichts zurückgeben kann an den übrigen Organismus. Der übrige Organismus gibt ja seine vererbten Impulse das ganze Leben hindurch an den Kopf ab, sonst würden wir mit siebenundzwanzig Jahren sterben, denn der Kopf ist dazu veranlagt. Aber ebenso sollte der Kopf das wiederum abgeben, was in ihm herangezogen wird. Daß die heutige Erziehung das nicht trifft, dafür können Sie die Probe machen, indem Sie sich die Frage stellen: Ist es denn nicht so, daß heute Menschen, welche die schulmäßige Erziehung bekommen, sich im späteren Leben nur an das Gefühlsmäßige erinnern? — Sie tun meistens nicht einmal das, sondern sie sind froh, wenn sie alles rasch vergessen können. Das bedeutet nur, daß der übrige Organismus anschaut die Bildung des Kopfes. Würde der übrige Organismus vom Kopfe als Lebensessenz das erhalten, was er braucht, so würde man sich nicht nur gedächtnismäßig erinnern, sondern man würde zurückblicken auf das, was einem der Lehrer gegeben hat, wie auf ein Paradies, zu dem man jede Stunde im späteren Leben mit inniger Zufriedenheit, mit Anhänglichkeit zurückdenkt, in das man sich immer wieder und wiederum versenkt und in dem man eine Quelle von Verjüngungen hat. Es wäre eine Quelle von Verjüngung, wenn es Herzensbildung enthalten würde, nicht bloß Kopfbildung. Dann würde der Mensch sein ganzes Leben hindurch für den übrigen Organismus, der sich viermal langsamer entwickelt, aus der Kindheitslehre etwas haben, aus der Schule etwas haben, was auch zurückwirken würde auf seinen Organismus. Heute fängt das erst an, immer schlimmer und schlimmer wird es werden. Die Menschen werden früh greisenhaft werden, weil sie höchstens gedächtnismäßig sich an das erinnern werden, was sie nur für den Kopf aufgenommen haben, und was so nur bis zum siebenundzwanzigsten Jahre eine Bedeutung hat. Nachher bleibt es stehen, Unbrauchbares, an das man sich zurückerinnert; und der Mensch altert. Er wird früh innerlich seelisch-geistig alt, weil die Kopfbildung nicht geeignet ist, überzufließen in die viermal langsamere Herzensentwickelung.

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Cite: GA 174b/1918-02-24/p023 · edition original