Achter Vortrag
In dieser Zeit muß ich wiederholt aufmerksam machen auf einen Zug der Betrachtung, welcher durch unsere ganze Geisteswissenschaft in der Gegenwart gehen muß. Ich habe diesen Zug der Betrachtung einen solchen genannt, daß wir überall darauf sehen müssen, daß hinter den Begriffen und Vorstellungen und Ideen, die sich der Mensch bildet und in denen er lebt, nicht bloß dasjenige steht, was man oftmals im Leben Logik nennt, sondern daß in den Begriffen und Vorstellungen der Menschen dasjenige lebt, was man Wirklichkeit nennen kann. Nach wirklichkeitsgesättigten Begriffen muß gesucht werden. Und es kann immer wiederum und wiederum nicht unnötig sein, gerade bei den Betrachtungen, die nun hinauslaufen sollen auf ein ganz bestimmtes Ziel, das ich gleich bezeichnen werde, darauf aufmerksam zu machen, wie begreiflich es werden kann, daß ein Begriff, irgendeine Vorstellung, die im Leben vorhanden ist, zwar in einer gewissen Art wahr sein kann, aber nicht in die Wirklichkeit hinunterlangen kann. Gewiß, was eigentlich mit diesen wirklichkeitsgesättigten Begriffen gemeint ist, das wird erst allmählich klar werden; aber man kann sich auch, ich möchte sagen, durch einfache Vergleiche allmählich dahin bringen, die Vorstellung des Wirklichkeitsgesättigten zu haben. Daher will ich heute einleitungsweise durch einen Vergleich wiederum einmal auf das, was ich eigentlich meine, aufmerksam machen.
Cite:
GA 175/1917-03-27/p003 · edition original