Achter Vortrag

GA 175/1917-03-27/p010 ·1917-03-27 · original (original)
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Nun birgt tatsächlich alles dasjenige, was Bezug hat auf das Mysterium von Golgatha, auch für die heutige Zeit noch tiefste Geheimnisse, die sich lösen werden, wenn geisteswissenschaftliche Anschauung immer weiter und weiter vorschreiten wird. Viele Dinge können die Menschen heute darauf hinweisen, daß die Fragen doch nicht so einfach liegen, wie man sie gerade heute sehr häufig sich vorstellt. So berücksichtigt man zum Beispiel heute wenig das Verhältnis des damaligen Judentums zu den Anschauungen über den Christus Jesus für das erste christliche Jahrhundert. Es gibt Theologen, welche gewisse jüdische Schriften studieren, um mancherlei zu zeigen. Allein man kann leicht nachweisen, daß diese jüdischen Schriften, auf die so manches gestützt wird, im ersten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung noch gar nicht vorhanden waren. Aber eines scheint auch historisch durchaus nachweisbar zu sein: das ist, daß im ersten Jahrhundert, namentlich im zweiten Drittel des ersten Jahrhunderts, ein gutes, ein verhältnismäßig gutes Verhältnis bestanden hat zwischen dem Judentum und dem Christentum, wenn man das Wort für jene Zeit schon gebrauchen will; daß im allgemeinen, wenn gewisse aufgeklärte Juden der damaligen Zeit in Diskussionen kamen mit Anhängern des Christus Jesus über gewisse Fragen, es nicht allzu schwierig war, eine Übereinstimmung der Anschauungen herzustellen. Man braucht dabei nur zu erinnern an solche Fälle, wie etwa, daß der berühmte Rabbi Elieser kennenlernte um die Mitte des ersten Jahrhunderts einen gewissen Jakob — wie er ihn nennt —, welcher sich dazu bekannte, ein Schüler Jesu zu sein, und der heilte auf den Namen des Christus Jesus. Der berühmte Rabbi Elieser besprach sich mit jenem Jakob, und er kam im Gespräch dazu zu sagen: Eigentlich ist es durchaus nicht gegen den inneren Geist des Judentums, was da dieser Jakob sagt, und namentlich nicht, daß er auf den Namen Jesu Kranke heilt.

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