{"corpus":"steiner","locus":"GA 175/1917-03-27/p012","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich habe Sie das letzte Mal aufmerksam gemacht auf ein bedeutsames Buch, auf das Buch «Des erreurs et de la vérité» von Saint-Martin. Dieses Buch ist ja gewiß ein Spätprodukt seiner Art, insofern ein Spätprodukt seiner Art, als es aus schon recht schattenhaft gewordenen Traditionen von alten Einsichten heraus spricht, aber eben doch noch aus diesen Traditionen heraus spricht. Nun habe ich Ihnen schon neulich mancherlei angeführt aus diesem Buche, bei dem der moderne Mensch nicht recht etwas sich denken kann. Aber wenn man nun folgende Anschauung nimmt, die sich bei Saint-Martin findet, so wird man erst recht sehen, wie bei Saint-Martin eben Dinge leben, die dem modernen Menschen, wenn man sie nicht als Dichtung nehmen darf — und als Dichtung nimmt man ja heute ungefähr alles —, der hellste Wahnsinn sind. So gibt Saint-Martin die Andeutung, daß das Menschengeschlecht, wie es jetzt ist, aus einem alten, uralten Zustand heruntergesunken ist in den gegenwärtigen Zustand. Mit einer gewissen Abstraktheit lassen sich ja das heute manche Menschen, die nicht auf die materialistische Weltanschauung schwören, noch gefallen, daß man das heutige Menschengeschlecht zurückverfolgt in ältere Zeiten, in denen es gewissermaßen mit einem Teil seines Wesens höher stand. Es gibt ja immerhin, trotz der materialistischen Färbung des Darwinismus, die da annimmt, daß der Mensch sich bloß von der Tierheit herauf entwickelt hat, noch andere Menschen, die der Meinung sind, daß der Mensch von einer gewissen Ursprungshöhe, in der es ja, wie ich ausgeführt habe, göttliche Urtraditionen gegeben hat, heruntergestiegen sei. Aber wenn es über dieses Abstrakte hinausgeht und zu solchen konkreten Behauptungen kommt, wie sie bei Saint-Martin sich finden, und bei Saint-Martin nur deshalb sich finden, weil sie an uralte Traditionen anknüpfen aus der alten Hellseherzeit, dann, ja dann kann sich eben der moderne Mensch bei solchen Dingen gar nichts mehr vorstellen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Achter Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-03-27","location":null,"word_count":299,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/175/1917-03-27/p012","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/175/1917-03-27/p012"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/175/1917-03-27/p012","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}