Achter Vortrag
Ich glaube nicht, daß man vom modernen Menschen für noch vollsinnig angesehen würde, wenn man dasselbe täte, was Saint-Martin ganz zweifellos tat: für diese seine Anschauung eine so vollwertige Realität zu verlangen, wie der Geologe sie für die schönen Konstruktionen, die er für die Urzeit macht, verlangt. Man müßte schon mit allerlei abstrakten Allegorien oder Symbolen kommen, dann würde einem die Geschichte ein bißchen verziehen werden. Aber das meint Saint-Martin nicht, sondern Saint-Martin meint Wirklichkeiten, die ursprünglich da waren. Es war natürlich für Saint-Martin notwendig, daß er für gewisse Dinge, die damals vorhanden waren, als die Erde in ihrem Ursprung noch geistiger war als später, Imaginationen wählte. Allein Imaginationen sind Darstellungen von Wirklichkeiten; man darf sie nicht symbolisch auslegen, sondern man muß sie in ihrem imaginativen Inhalte nehmen, wie sie sind. — Ich wollte dies anführen, nicht um auf diese Sache jetzt einzugehen, sondern nur um Ihnen zu zeigen, wie grundverschieden noch im achtzehnten Jahrhundert die Sprache war, in der solch ein Buch wie «Des erreurs et de la vérité» geschrieben ist, von der Sprache, die man heute als die allein wirkliche gelten lassen will. Diese Art zu lesen, die man bei Saint-Martin noch findet, die ist eben wirklich ausgestorben.
Cite:
GA 175/1917-03-27/p014 · edition original