Achter Vortrag

GA 175/1917-03-27/p016 ·1917-03-27 · original (original)
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Am abgeneigtesten gerade der besonderen Färbung der jüdischen Geheimlehre war nun zur Zeit des Mysteriums von Golgatha das Römertum. Und, man kann sagen, es hat vielleicht größere Gegensätze kaum gegeben in der Erdenentwickelung, als den Gegensatz zwischen Römertum und der in Palästina von den Eingeweihten behüteten Mysterienanschauung. Doch darf man natürlich diese Mysterienanschauung, die in Palästina lebte, nicht so nehmen, wie sie damals in Palästina lebte, denn man würde dann nicht in ihr das Christentum finden, sondern nur etwas wie eine prophetische Vorverkündigung des Christentums. Aber auf der anderen Seite ist doch dasjenige, was im Christentum pulsiert hat, nur dann verständlich, wenn man es auf dem historischen Hintergrund der in Palästina vorhandenen Mysterienlehre anschauen kann. Diese Mysterienlehre war aber nun voll von Geheimnissen über den pneumatischen Menschen, war voll von demjenigen, was die menschliche Erkenntnis darauf hinweist, den Weg zu suchen in die geistige Welt hinein. Vieles von dem, was in dieser Geheimlehre lebte, lebte mehr oder weniger in Verzweigungen auch in den griechischen Mysterien. Aber wenig lebte davon in den römischen Mysterien. Das Römertum konnte nicht brauchen gerade den Grundnerv der palästinensischen Mysterien. Diesen Grundnerv konnte es nicht brauchen, denn das Römertum entwickelte ein solches Zusammensein der Menschen, eine solche besondere Art des menschlichen Zusammenseins, die nur bestehen kann, wenn man sich um den pneumatischen Menschen nicht kümmert. Das ist das eigentliche Geheimnis der römischen Geschichte, daß in dieser römischen Geschichte begründet werden sollte ein Zusammenleben der Menschen, durch welches der pneumatische Mensch mehr oder weniger ausgeschaltet wurde. Es sollte etwas begründet werden, demgegenüber es keinen Sinn hat, vom Menschen in seiner dreigliedrigen Wesenheit zu sprechen: Leib, Seele und Geist. Je weiter man zurückgeht, desto mehr sieht man, daß gerade die in den alten Zeiten vorhandene Auffassung des Mysteriums von Golgatha basiert, begründet ist auf dieser Unterscheidung des Gesamtmenschen in Leib, Seele und Geist, wie Paulus eben noch durchaus vom psychischen und pneumatischen Menschen spricht, vom seelischen und geistigen Menschen. Aber das mußte im höchsten Maße Anstoß erregen gegenüber allen Empfindungen, die ein Römer hatte. Und damit ist auch der Grund für vieles ausgesprochen, was in der Folgezeit eintrat.

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