Achter Vortrag

GA 175/1917-03-27/p017 ·1917-03-27 · original (original)
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Sie wissen ja: Jene Anschauung, welche heute nicht mehr brauchbar ist, aber dazumal retten wollte die Gliederung des Menschen und der Welt überhaupt in Leib, Seele und Geist, ist die Gnosis. Sie wurde in der Weiterentwickelung mehr oder weniger vollständig ausgeschaltet, richtig ausgeschaltet, zurückgedrängt, so daß die Gnosis ganz verschwindet. Ich will gar nicht sagen, daß sie sich hätte erhalten sollen, sondern ich will nur die geschichtliche Tatsache feststellen, daß die Gnosis noch den Ausblick enthält auf eine geistige Auffassung des Mysteriums von Golgatha und zurückgedrängt wird. Es ergibt sich nun eine sehr eigentümliche Entwickelung: es ergibt sich, daß das Christentum immer mehr und mehr hineinfließt in das römische Wesen. Aber in demselben Maße, in dem es hineinfließt in das römische Wesen, wird es mit Bezug auf sein Verhältnis zum pneumatischen Menschen von diesem römischen Wesen nicht verstanden. Und es erregte immer mehr und mehr Anstoß, daß gewisse gnostische Vertreter des Christentums noch immer sprachen von Leib, Seele und Geist. Man versuchte in den Kreisen, in denen das Christentum auf römische Art offiziell geworden ist, immer mehr und mehr zu kaschieren, zu unterdrücken den Geist, den Begriff des Geistes. Man hatte das Gefühl, man solle den Menschen nicht auf den Geist hinweisen, denn dadurch könnten alle die Anschauungen - so glaubte man — wieder aufleben von der Gliederung des Menschen in Leib, Seele und Geist.

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Cite: GA 175/1917-03-27/p017 · edition original