Achter Vortrag
Mit diesem ist vieles verknüpft, was die Leute nicht wissen. Unsere heutigen Philosophen stellen noch immer ihre Betrachtungen so an, daß sie untersuchen auf der einen Seite das Leibliche, auf der anderen Seite das Seelische. Wenn Sie diese Leute, zum Beispiel Wundt oder ähnliche Köpfe, fragen würden, worauf das beruht, so würden sie selbstverständlich glauben, daß das auf Wirklichkeiten beruht, auf einer wirklichen Beobachtung, die darauf hinausgeht, daß es keinen Sinn habe zu sprechen von Leib, Seele und Geist, sondern bloß vom Leib, der nach außen gerichtet ist, und von der Seele, die nach innen gerichtet ist. Was würde so ein Wundt anderes sagen als: Das ergibt ja selbstverständlich die Anschauung! - Er hat keine Ahnung davon, daß das alles die Folge ist von dem, was das achte ökumenische Konzil festgelegt hat. Die Philosophen der Gegenwart sprechen noch immer nicht vom Geiste, denn sie folgen dem Dogma des achten ökumenischen Konzils. Warum eigentlich, wenn auch nicht mit deutlichen Worten, die modernen Philosophen den Geist abschwören, das wissen sie wahrhaftig ebensowenig, wie die römischen Kardinäle gewußt haben, auf was sie eigentlich schwören, als sie geschworen haben zu bewahren den Schatz, der längst nicht mehr da war. Die fortzeugenden Dinge in der Geschichte, die wirklichen Kräfte, die berücksichtigt man oftmals eben so furchtbar wenig. Und so kann man heute als unwissend gelten, wenn man nicht zustimmt der «voraussetzungslosen» Wissenschaft - wie man es nennt -, daß der Mensch nur aus Leib und Seele bestünde, bloß weil diejen:gen, die die voraussetzungslose Wissenschaft vertreten, nicht wissen, daß die Voraussetzung dazu die Festsetzungen des achten ökumenischen Konzils im Jahre 869 sind. Und so ist es mit sehr, sehr vielen Dingen. Man möchte sagen: Dieses achte Konzil ist zu gleicher Zeit ein wichtiges Fenster, durch das man hineinschauen kann in ein gutes Stück abendländischer Entwickelung.
Cite:
GA 175/1917-03-27/p019 · edition original