Achter Vortrag

GA 175/1917-03-27/p027 ·1917-03-27 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Die Dinge haben immer viel tiefere Zusammenhänge, als man eigentlich merkt, wenn man sie bloß ihrer Oberfläche nach betrachtet. Denn, daß Marx und Engels Kirchenväter sind, werden nicht viele Leute heute zugeben wollen; aber das ist noch keine ganz besonders tiefe Wahrheit. Auf eine tiefere Wahrheit führt es schon, wenn man folgendes ins Auge ‘faßt: Im Gerichtshofe, durch den der Christus Jesus verurteilt worden ist, wirkten vorzugsweise Sadduzäer, diejenigen, die man Sadduzäer nannte. Was waren die in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha sich abspielte? Was waren die eigentlich, die dazumal mit Recht mit dem Namen Sadduzäer bezeichnet worden sind? Es waren diejenigen Leute, welche alles, was aus dem Mysterium kam, hinwegeskamotieren wollten, hinweghaben, hinwegschaffen wollten. Diese Sadduzäer waren geradezu diejenigen, welche einen gewissen Horror, einen Schrecken, Schauder hatten vor allem Mysterienkult. Sie waren aber diejenigen, die den Gerichtshof in Händen hatten. Und sie waren es auch, die die Verwaltung dazumal in Palästina in Händen hatten. Sie standen aber ganz unter dem Einfluß des römischen Staates, durchaus unter dem Einfluß des römischen Staates. Sie waren im Grunde die Knechte des römischen Staates, was sich äußerlich schon dadurch ausdrückte, daß sie ihre Stellen durch Riesensummen erkauften, und dann wiederum diese Riesensummen erpreßten von der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Sie waren es, deren Blick sich vor allen Dingen darauf richtete — weil sie, man könnte sagen, ihr ahrimanischer Materialismus zu diesem Blick geschärft hatte —, sie waren es, deren Blick sich vor allen Dingen darauf richtete, zu sehen, daß eine große Gefahr für das Römertum vorliege, wenn dasjenige irgendwie Geltung bekäme, was mit dem Christus im Einklange mit dem Mysterienwesen geschähe. Sie hatten eine instinktive Ahnung davon, daß vom Christentum etwas ausgeht, was das Römertum allmählich zertrümmern wird. Und damit hängt es zusammen, daß im Grunde genommen im Laufe des ersten Jahrhunderts und auch noch in spätere Jahrhunderte hinein von seiten des Römertums aus diese furchtbaren Vernichtungskriege geführt wurden gegen das palästinensische Judentum. Und diese Vernichtungskriege, die furchtbarer Art waren, sie wurden hauptsächlich geführt unter dem Gesichtspunkte, mit den hinzuschlachtenden Juden auch auszurotten alle diejenigen, welche etwas wußten von der Tradition und der Wirklichkeit der Mysterien. Es sollte mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden dasjenige, was sich an das Mysterienwesen angliederte, das gerade in Palästina vorhanden war.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/175/1917-03-27/p027.json
Cite: GA 175/1917-03-27/p027 · edition original