Zehnter Vortrag

GA 175/1917-04-10/p012 ·1917-04-10 · original (original)
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Man versteht nicht, was eigentlich mit der Wassertaufe — die Art, wie sie vorgenommen wurde, habe ich ja öfter erzählt — gemeint ist, worauf angespielt ist, wenn man nicht eben gerade versucht, geisteswissenschaftlich sich der Sache zu nähern. Ich habe mich jahrelang bemüht, gerade hinter diese Dinge ein wenig zu kommen mit Hilfe derjenigen Mittel, die eben die Geisteswissenschaft an die Hand gibt. Da geht einem plötzlich auf, daß die ganze Charakteristik, in der uns der Täufer Johannes entgegentritt, etwas sehr, sehr Bedeutsames ist. Was sind es eigentlich letzten Endes für Wasser, mit denen Johannes tauft? Selbstverständlich, äußerlich sind es die Wasser des Jordan. Aber wir wissen ja: die betreffenden Täuflinge wurden ganz untergetaucht, so daß in der Tat während des Untertauchens eine Art Lockerung ihres Ätherleibes von dem physischen Leibe stattfand, daß sie für einen Augenblick sich hellsichtig sehen konnten. Das ist ja die wirkliche Bedeutung der Johannes-Taufe und ähnlicher Taufen gewesen. Aber Johannes meint nicht das allein, indem er von der Wassertaufe spricht, sondern er meint vor allen Dingen einen Hinweis auf jene Stelle des Alten Testamentes, wo gesagt wird: Der Geist der Götter schwebte über den Wassern. Denn was soll erreicht werden durch die Wassertaufe im Jordan? Durch die Wassertaufe im Jordan soll das erreicht werden, daß die Täuflinge in ihrem Bewußtsein durch jene Lockerung des Ätherleibes, durch all dasjenige, was mit ihnen vorgeht, sich zurückversetzt fühlen in die Zeit vor dem, was man den Sündenfall nennt. Es soll gewissermaßen aus ihrem Bewußtsein ganz ausgelöscht werden all dasjenige, was seit dem Sündenfall vorgegangen ist; sie sollen in den Unschulds-Urzustand zurückversetzt werden, damit sie sehen, was der Mensch vor dem Sündenfall gewesen ist. Gewissermaßen soll den Täuflingen klar werden: Der Mensch hat durch den Sündenfall einen Irrweg eingeschlagen, und wenn er auf diesem Irrweg weitergeht, so kann es mit ihm nicht gut ausgehen. Er muß umkehren bis zum Anfang, er muß gewissermaßen aus seiner Seele ausreißen alles dasjenige, was durch den Irrweg in diese Seele hineingekommen ist.

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