Zehnter Vortrag
Und hier müssen wir verstehen das, was wir das letztemal gesagt haben von den Seelen, die seit dem Sündenfall immer schlechter und schlechter geworden sind, die immer weniger und weniger geeignet waren, dem menschlichen Leibe dasjenige zu sein, was sie ihm sein sollen, die gewissermaßen immer mehr und mehr korrumpiert worden sind. Das konnte eine gewisse Wegstrecke der Erdenentwickelung gehen, aber das mußte einmal ein Ende finden, dann ein Ende finden, wenn diese ganze Erdenentwickelung ergriffen wird von der Himmelsentwikkelung, wenn die Himmelsentwickelung sich bemächtigt der Erdenentwickelung. Das sahen solche Menschen wie Johannes prophetisch voraus: Jetzt kommt die Zeit, wo es nicht mehr geht, daß die Seelen gerettet werden; jetzt kommt die Zeit, daß die Seelen verfallen müssen, wenn nicht irgend etwas Besonderes eintritt. Entweder müssen die Seelen sich zurückziehen vom ganzen Leben seit der Erbsünde, welche dasjenige gebracht hat, wodurch die Seelen korrumpiert worden sind also die Erdenentwickelung muß vergeblich sein —, oder es muß etwas anderes geschehen! Das drückte Johannes der Täufer eben aus, indem er sagte: Es wird einer kommen, der da mit dem Heiligen Geiste taufen wird. Johannes konnte die Menschen nur erretten vor den Folgen des Sündenfalles, indem er sie herausriß aus der Welt. Der Christus Jesus wollte sie auf eine andere Weise erretten; er wollte sie drinnen lassen in der Welt und sie dennoch retten. Er wollte sie nicht zurückführen zu dem Zeitpunkt vor dem Sündenfall, sondern er wollte sie die weiteren Wegstrecken der Erdenentwickelung durchlaufen lassen und dennoch sie Anteil nehmen lassen an dem Reiche der Himmel.
Cite:
GA 175/1917-04-10/p015 · edition original