Zehnter Vortrag

GA 175/1917-04-10/p028 ·1917-04-10 · original (original)
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Knüpfen wir nun an dasjenige an, was ich vorhin in einem konkreten Falle charakterisiert habe, an die Geheimnisse des Reiches der Himmel, aus denen heraus also der Christus Jesus solche Impulse gab. Sehen Sie, wenn wir uns fragen, so nach der Methode des heutigen Wissens uns fragen: Worin lag denn die besondere Zauberkraft, durch die der Christus Jesus wirkte? - so wird man mit den Mitteln, die die heutige geschichtliche Wissenschaft gewöhnlich aufsucht, wenn sie erkennen will, nichts erreichen. Man wird damit nichts erreichen, denn die Zeiten haben sich viel, viel mehr geändert, als man heute voraussetzt. Heute setzt man voraus: Nun ja, vor zweitausend, viertausend Jahren haben doch die Menschen ungefähr so ausgeschaut wie jetzt, sie sind zwar ungeheuer viel gescheiter geworden, aber so im allgemeinen waren doch die Menschenseelen so, wie sie jetzt sind. Und dann rechnet man zurück, und da kommt man zu Millionen Jahren. Ich habe ja neulich schon im öffentlichen Vortrage gesagt: Man rechnet die Jahrmillionen weiter und kommt zu einem Weltenende. Man hat sehr schön ausgerechnet, wie da die einzelnen Substanzen sein werden: wie Milch fest sein wird, aber leuchten wird — ich möchte wissen, wie diese Milch gemolken wird, aber das wollen wir nicht weiter berühren -, Eiweiß wird man verwenden, indem man die Wände damit anstreicht, weil es leuchten wird, so daß man dabei Zeitung lesen kann. Dewar in der Royal Institution brachte das vor einigen Jahren vor, indem er das Erdenende, so wie es die Physiker ausgerechnet haben, auseinandersetzte. Nun, ich hatte damals einen Vergleich gebraucht, indem ich sagte: Solche Berechnungen der Physiker sind geradeso, wie wenn jemand hergeht und beobachtet, was für Veränderungen vor sich gehen mit dem menschlichen Magen oder dem menschlichen Herzen in zwei, drei Jahren, und dann multipliziert und ausrechnet, was für Veränderungen dann vorgehen werden in zweihundert Jahren, wie also der menschliche Leib in zweihundert Jahren aussehen wird. Sie sind genau ebenso geistreich: nur, der Mensch wird längst verstorben sein in zweihundert Jahren. So ist es aber auch mit unserer Erde. Was da die Physiker so schön ausrechnen, was geschehen wird nach Jahrmillionen, das ist richtig gerechnet, nur wird die Menschheit der Erde als physische Menschheit längst vorher abgestorben sein. Und was die Geologen zurückrechnen für Jahrmillionen, das ist ebenso, nach derselben Methode gerechnet, wie wenn man einen Magen nehmen würde und zurückrechnet, nachdem das Kind sieben Jahre alt geworden ist, wie dann der Organismus des Kindes vor fünfundsiebzig Jahren gewesen ist. Nur merken es die Menschen nicht, was sie eigentlich in ihrem Denken anrichten, denn in denjenigen Zeiten, zu denen die Geologen zurückrechnen, hat die Menschheit als physische Menschheit noch nicht einmal existiert. Man muß, weil starke Arzeneien nötig sind gegen viele Irrtümer unserer Zeit, die mit großer Autorität auftreten, sich schon nicht scheuen, manchmal auch eine starke Arzenei für diejenigen, die sie brauchen können, gegen diese Dinge zu setzen. Starke Arzeneien wie die, daß man etwa sagt: Du rechnest aus, wie ein menschlicher Organismus nach seinen Veränderungen in zweihundert Jahren sein wird; aber er wird natürlich als menschlicher Organismus in zweihundert Jahren nicht mehr leben! Dem kann man, wie sich mir aus rein okkulten Forschungen ergeben hat, entgegensetzen - ich weiß selbstverständlich, das gilt der heutigen Wissenschaft als Narretei, aber wahr ist es —, daß, so wie die Menschheit jetzt ist, sie von heute an in 4000 Jahren nicht mehr wird sein können, ebensowenig wie ein Mensch nach | zweihundert Jahren, der heute zwanzig Jahre alt ist, noch leben wird. Denn man kann es herausfinden durch okkulte Forschung, daß im Laufe des sechsten Jahrtausends die Menschenfrauen, wie sie heute organisiert sind, unfruchtbar sein werden, keine Kinder mehr gebären werden. Und eine ganz andere Ordnung wird eintreten im sechsten Jahrtausend! Das zeigt uns die okkulte Forschung. Ich weiß, daß es dem, der im Sinne der heutigen Wissenschaft denkt, als etwas ganz Unsinniges erscheinen wird, das auszusprechen; aber es ist schon einmal so. Und so muß man sagen: Das, was Geschichte ist, was geschichtlicher Verlauf im Erdenwerden ist, darüber macht man sich gerade heute im materialistischen Zeitalter die konfusesten Begriffe. Deshalb versteht man auch selbst äußerlich durch die Geschichte auf uns gekommene feine Anspielungen auf anders geartete Seelenkonstitutionen in verhältnismäßig gar nicht weit zurückliegender Zeit nicht mehr.

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