{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-07-03/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun hat er durch viele Jahre in Wien vorgetragen das, was man in Österreich universitätsgemäß nannte: Die praktische Philosophie. Unter der praktischen Philosophie verstand man eigentlich eine Art Morallehre, eine Art Ethik. Und so wie sie von Brentano obligatorisch vorgetragen werden mußte, so wurde sie für angehende Juristen als ein Pflichtkolleg, eine Pflichtvorlesung, die die angehenden Juristen zu hören hatten, vorgetragen. Franz Brentano hat in diesem Kolleg über praktische Philosophie gewöhnlich nicht so sehr über «praktische Philosophie» gesprochen, sondern, ich möchte sagen, über die Frage: Wie kommt man überhaupt dazu, irgend etwas als Gutes anzuerkennen oder irgend etwas als Schlechtes hinzustellen? — Nun hatte Franz Brentano mit seinen eigenartigen Ansichten nach dieser Richtung keinen ganz leichten Stand, denn Sie wissen ja, auch über das Gute ist innerhalb der Philosophie immer gedacht worden. Und es ist auch gesucht worden, die Frage zu beantworten: Welches Recht hat man, das eine als gut, das andere als schlecht anzusehen? — beziehungsweise die Frage zu beantworten: Woraus fließt das Gute, aus welcher Quelle fließt das Gute, und aus welcher Quelle fließt das Schlechte oder Böse? — Man darf sagen, auf alle mögliche Art und Weise wurde diese Frage angefaßt. Und in der Zeit, in welcher Brentano versuchte — wenn ich mich schulmäßig, pedantisch ausdrücken wollte, würde ich sagen, das Kriterium des Guten zu suchen -, in der Zeit war rings um ihn eine eigentümliche Morallehre vorhanden: die Herbartische.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-07-03","location":null,"word_count":233,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-03/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-03/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-07-03/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}