Fünfter Vortrag

GA 176/1917-07-03/p014 ·1917-07-03 · original (original)
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Herbart, der einer der Nachfolger Kants war, hat ja gerade in bezug auf Ethik die Anschauung vertreten — die auch andere vertreten haben, nur er ganz hervorragend -, daß alles Ethische eigentlich darauf beruht, daß uns gewisse Verhältnisse im menschlichen Leben gefallen, andere mißfallen. Und diejenigen Verhältnisse im menschlichen Leben, die gefallen, sind die guten, die mißfallen, sind die schlechten. So daß der Mensch gewissermaßen ein naturgemäßes, ihm unmittelbar zukommendes Vermögen hätte, dem Guten Gefallen, dem Schlechten Mißfallen zuzuwenden. Herbart sagt zum Beispiel: Innere Freiheit ist etwas, was uns unter allen Umständen gefällt, wenn sie an einem Menschen erscheint. Was ist innere Freiheit? Nun, ein Mensch ist innerlich frei, wenn er so handelt, wie er sich über sein Handeln VorstelJungen machen kann, wenn sein Handeln und sein Vorstellen in Harmonie stehen. Wenn also, grob gesprochen, der A von dem B denkt: Du bist eigentlich ein schlechter Kerl -, aber ihm schmeichlerische Worte sagt, so ist das nicht der Ausfluß der inneren Freiheit, und keine Harmonie zwischen Handeln und Vorstellen. Auf diesem Einklang zwischen Vorstellen und Handeln beruht die Idee, die ethische Idee der inneren Freiheit. - Eine andere ethische Idee ist die Vollkommenheit, darin bestehend, daß, wenn wir irgend etwas tun, das wir besser tun könnten, es uns mißfällt. Wenn wir aber etwas tun, das wir so tun, daß es, mit jedem unserem möglichen anderen Tun verglichen, das bessere ist, das vollkommenere ist, so gefällt es uns. Solcher Ideen, solcher ethischen Ideen unterscheidet Herbart fünf. Das Wesentliche ist für uns das, daß Herbart auf das unmittelbar in der Seele auftretende Gefallen und Mißfallen die Ethik stützt.

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Cite: GA 176/1917-07-03/p014 · edition original