{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-07-03/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich will nicht auf Einzelheiten eingehen, sondern ich will hauptsächlich betonen, daß nun Franz Brentano wirklich in jahrzehntelangem Ringen das Gute auf die einfache Formel gebracht hat: es ist das Liebenswerte, es ist dasjenige, was in richtiger Liebe getan wird. Eine Abstraktion! Denn bei Brentano ist das Große wirklich nicht dasjenige, zu dem er gekommen ist. Denn Sie werden sagen: es sind eigentlich magere Ergebnisse: «Das Wahre ist das, was aus der Evidenz des Urteils folgt», «Das Gute ist dasjenige, was richtig geliebt wird.» Es sind magere Dinge, werden Sie sagen. Aber das Charakteristische ist die Energie, der Ernst des Strebens; denn Sie werden wirklich nicht, bei keinem anderen Philosophen der Gegenwart, solch einen aristotelischen Scharfsinn in den Auseinandersetzungen finden und zu gleicher Zeit ein solches Mitschwingen des ganzen seelischen Lebens bei allem, was er sagte. Diese mageren Resultate werden doch eigentlich erst dadurch wertvoll, daß man sie bei einem Menschen, der eben so ringt, verfolgt. Aber gerade durch diese Art des Seelenlebens war Franz Brentano ein Repräsentant geistigen Strebens. Man könnte viele Menschen der Gegenwart — Philosophen -— anführen, welche schon den Versuch gemacht haben, die Fragen: Was ist das Wahre?, was ist das Gute? zu beantworten. Gerade bei den Geschätztesten würde man finden, daß die Antworten viel leerer sind als die von Brentano, trotzdem Ihnen, die Sie sich jahrelang mit der Geisteswissenschaft befassen, Brentanos Antworten so mager erscheinen müssen. Brentano hat ja auch, ich möchte sagen, das Schicksal der ringenden Menschen der Gegenwart gehabt, denn er ist wenig in seinem Ringen verstanden worden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-07-03","location":null,"word_count":255,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-03/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-03/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-07-03/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}