Fünfter Vortrag

GA 176/1917-07-03/p018 ·1917-07-03 · original (original)
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Wenn man nun bei Franz Brentano dieses Ringen nach den Antworten auf die Fragen: Was ist wahr? Was ist gut? — sich ansieht, so findet man bei ihm auch eben am klarsten, am anschaulichsten, wo es fehlen muß bei einem Menschen der Gegenwart, der nicht in die Geisteswissenschaft herein will, weil eben Franz Brentano es am weitesten gebracht hat unter all denen, die nicht in die Geisteswissenschaft haben herein wollen. Er hat es am weitesten gebracht, daher ist er gerade charakteristisch. Im weiten Umfange des philosophischen Strebens der Gegenwart werden Sie eben nirgends die Möglichkeit finden, Antwort zu geben auf die Fragen: Was ist wahr? Was ist gut? — Konfusionen werden Sie ja viele finden. Interessante Konfusionen sind zum Beispiel solche wie die Windelbandschen. Windelband, der lange in Heidelberg als Professor gelehrt hat, auch in Freiburg, Windelband konnte nichts herausfinden in der Seele, was dazu führt, etwas als wahr anzuerkennen oder als falsch zu verwerfen. Daher gründete er das Wahre auch auf die Zustimmung, also gewissermaßen auf das Lieben. Ein Urteil, das wir in einem gewissen Sinne lieben können, ist wahr, und ein Urteil, das wir hassen müssen, wäre also dann unwahr. Verstecktes Lieben und Hassen steckt auch in Wahr und Unwahr darin. Bei den Herbartianern sehen Sie, daß das ethisch Gute und ethisch Schlechte auch nach Gefallen und Mißfallen beurteilt wird, was Franz Brentano nur für das Schöne oder Häßliche gelten lassen will.

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