Fünfter Vortrag
Würde sich also Franz Brentano auf die Frage: Was ist Wahrheit? Antwort haben geben wollen, so würde er die ganze Beziehung, in der der Mensch steht zur Welt durch seinen Ätherleib, haben untersuchen müssen. Das kann er nicht, weil er den Ätherleib nicht anerkennt. Daher bleibt ihm nichts anderes übrig, als gewissermaßen ein mageres Urteil hinzustellen, ein mageres Wort: Die Evidenz. Denn die Auseinandersetzung der Wahrheit ist einerlei mit der Erklärung der Beziehungen des menschlichen Ätherleibes zum Kosmos. Wir stehen mit dem Kosmos in Zusammenhang, indem wir die Wahrheit ausdrücken, dadurch, daß wir mit dem Kosmos durch den Ätherleib in Zusammenhang stehen. Gerade aus diesem Grunde muß uns nach dem Tode das Erleben des Ätherleibes für mehrere Tage verbleiben. Denn würde es das nicht, ginge uns die Wahrheit für die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verloren. Wir leben auf Erden, um unsere Vereinigung mit der Wahrheit zu pflegen, und nehmen gewissermaßen das Erlebnis der Wahrheit mit, indem wir mehrere Tage nach unserem Tode in dem großen Tableau des Ätherleibes leben. — Untersuchungen also über den menschlichen Ätherleib würden dasjenige bilden, was die Frage zu beantworten hat: Was ist Wahrheit?
Cite:
GA 176/1917-07-03/p024 · edition original