Fünfter Vortrag
Wenn wir von diesen elementaren Dingen, die ich jetzt ausgeführt habe, zu etwas noch Höherem übergehen, so kann es das Folgende sein: In der Gegenwart leben zum größten Teil Menschen, die seit dem Beginn der christlichen Zeitrechnung, sagen wir, durchschnittlich in ihrer zweiten Inkarnation leben. Im ersten Leben genügte es für sie, den Christus-Impuls so aufzunehmen, wie er aus ihrer Umgebung, aus ihrer Gegenwartsumgebung heraus ihnen zukommen konnte. Jetzt, da sie wiederkommen, genügt das nicht, daher verlieren die Menschen nach und nach den Christus-Impuls. Und wenn die Menschen, die jetzt gegenwärtig leben, wiederkommen würden ohne die Erneuerung des Christus-Impulses, dann würden sie ihn ganz verloren haben. Daher ist es wiederum so notwendig, daß dieser Christus-Impuls sich so in die menschliche Seele setzt, wie ihn die Geisteswissenschaft gibt, die nicht angewiesen ist auf irgendeinen historischen Beweis, sondern die aus solchen Grundlagen heraus, wie sie hier wiederholt besprochen worden sind, den Christus-Impuls aufzeigt. So verbindet er sich mit der menschlichen Seele, daß er wirklich auch hinübergetragen werden kann in die Zeitalter, wo die Menschen neu kommen werden. Aber gerade deshalb sind wir in der Gegenwart in einer Art von Krisis auch in bezug auf den Christus-Impuls. So können wir ihn nicht aufnehmen, wie wir ihn in unserer ersten Inkarnation aufgenommen haben, denn wir sind zu weit von dem Historischen entfernt. Die Tradition ist vorbei. Diejenigen Menschen sind ehrlich, die sagen: Es gibt keinen Beweis aus der Geschichte für den historischen Christus. — Die Geisteswissenschaft zeigt, wie der Christus-Impuls in der Menschheitsentwickelung da ist. Geisteswissenschaft kann die Realität des Christus-Impulses wiederum bringen. Aber so muß er auftreten innerhalb der Menschheitsentwickelung, wie er aus der Geisteswissenschaft heraus auftreten kann. Das zeigt einfach der äußere Verlauf des heutigen Daseins.
Cite:
GA 176/1917-07-03/p032 · edition original