{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-07-10/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es ist ja naheliegend für den Menschen, der sich gewissermaßen in seinem eigenen Lebenslauf bewußt auffindet, der gewissermaßeri bewußt zu seinem Ich erwacht, daß er sich über dieses Ich und seine Stellung zur Welt klarwerden will. Nun müssen wir ja bemerken, daß eigentlich das Streben gerade nach dieser eben bezeichneten Klarheit als eine Sehnsucht in unserer Zeit außerordentlich stark vorhanden ist, daß diese Sehnsucht, über sich selbst sich aufzuklären, gewissermaßen so recht schon erwacht ist, daß diese Sehnsucht eben in der Gegenwart eine weit, weit verbreitete ist. Indem die Menschen der Gegenwart diese Sehnsucht erleben, machen sie aber zugleich Bekanntschaft mit all den außerordentlichen Klippen und Klüften, in die man hineinkommt, wenn man sich selber suchen will. Man kann ja sagen, daß die Menschen, indem sie Selbsterkenntnis anstreben, mit Recht den Glauben haben, sie gingen richtig, wenn sie als den Inhalt dieser Selbsterkenntnis ein mehr oder weniger einfaches Wesen in sich vermuten. Allein gerade dieser Glaube, daß das menschliche Selbst, das menschliche Ich, ein recht einfaches Wesen ist, der ist es, der in der Gegenwart vielen Menschen schwere, schwere Enttäuschungen bringt. Unter diesem Glauben beginnen die Menschen, ich will sagen, sich mit solchen Führungen, wie sie gegeben sind in Waldo Trines oder in anderen Auseinandersetzungen und Betrachtungen, zu befassen. Es sind ja viele Menschen der Gegenwart, die auf solchen Wegen suchen. Sie glauben gewissermaßen sich dadurch besser zu erkennen, daß sie in sich eindringen, und sie glauben, dadurch mehr Klarheit und mehr Sicherheit für das Leben zu gewinnen. Wenn man sich nicht damit bekannt macht, daß man zunächst schon die starke Enttäuschung erleben kann, daß die Selbsterkenntnis fürs erste einen von sich selber weiter wegbringt, als man früher gewesen ist, bevor man diese Selbsterkenntnis angestrebt hat, wenn man diese Enttäuschung schon schwer ertragen kann, wenn man es nicht ertragen kann, dann werden die Klippen und Klüfte um so größer.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-07-10","location":null,"word_count":309,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-07-10/p005"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}