{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-07-10/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun liegt die Sache so, daß der Mensch zunächst ja gehen kann den Weg des Vorstellungslebens; er kann versuchen, sich das Ich vorzustellen. Und gerade philosophisch geartete Menschen haben in der letzten Zeit darin einen sicheren Weg zu finden geglaubt, indem sie sich einfach sagen: Ja, das, was wir als unser eigentliches Ich bezeichnen, bleibt ja unser ganzes Leben hindurch, von unserer Geburt bis zu unserem Tode, ein und dasselbe Wesen. Ich bin immer dasselbe gewesen, wenn ich mich zurückerinnere an mich selbst. —- So sagen die Menschen. Ich habe schon öfter erwähnt, daß dies für jeden normalen Menschen jeden Tag widerlegt wird, denn er kann gar nicht wissen, bloß durch die äußere Betrachtung, wie es sich verhält mit diesem Ich, dieser Ich-Vorstellung, in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Er kann eigentlich von diesem Ich in den Vorstellungen nur für alle die Wachzustände, die er durchgemacht hat, reden und muß immer die Kette für alle die Schlafzustände unterbrochen denken. Das werden Sie leicht einsehen können, denn es ergibt sich das aus einer einfachen Überlegung. Derjenige, der also glaubt, das Ich, das lebe in dem Vorstellungsleben so, daß man es in den Vorstellungen finden könne, der sollte sich vor allen Dingen ganz klarmachen: Ja, meine Vorstellungen gehen mir eigentlich mit jedem Einschlafen verloren; da geht mir auch das Vorstellungs-Ich, für das Bewußtsein wenigstens, verloren. Etwas, was jeder Tag in die Nacht des Nichtwahrnehmbaren hinuntertauchen kann, das kann man eigentlich nicht so bezeichnen, wie wenn es ein sicheres Sein, ein sicheres Dasein wäre. So daß der Mensch, wenn er auf dem Wege des Vorstellens sein Ich sucht, sich philosophisch recht klar sein kann: so und so ist der Ich-Gedanke. Aber dieser Ich-Gedanke wird ihn nicht glücklich machen. Dieser Ich-Gedanke kann ihm auch keine besondere Sicherheit geben, auch wenn er nicht darauf kommt durch die einfache Überlegung, daß dieser Ich-Gedanke jeden Tag abreißt. Das ganze innere Wesen des Menschen, das wahrer ist als unser Vorstellen, das bringt es schon zum Ausdruck, daß man zunächst bei der bloßen Ich-Vorstellung unbefriedigt ist, wenn man das Ich sucht. Es ist einem zu wenig, ich möchte sagen, etwas zu Dünnes, was man da findet, wenn man das Ich bloß im Vorstellungsleben sucht. Woher kommt das?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-07-10","location":null,"word_count":370,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-07-10/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}