{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-07-10/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und da bekommt man geisteswissenschaftlich als Ergebnis dieses: daß das vorgestellte Ich überhaupt gar nicht dieses Ich ist, das wir jetzt haben. - Das ist ein sehr wichtiges, bedeutsames Resultat: Das vorgestellte Ich, das ist gar nicht dasjenige, das wir jetzt haben, sondern dieses vorgestellte Ich, das entbehrt in der Gegenwart des inneren wirksamen Seins. Wollen wir uns den Gedanken aus dem bloßen Vorstellungs-Ich heraus bilden: Du bist in der Gegenwart, so können wir, wenn wir real, wirklichkeitsgemäß denken, uns diesen Gedanken gar nicht bilden. Denn niemals kann uns das bloß vorgestellte Ich garantieren, daß wir in der Gegenwart sind. Wir sind immer der Gefahr ausgesetzt, daß uns irgendwie ein Zusammenwirken unserer Vorstellungen das Ich selber, die Ich-Vorstellung, bloß vorgaukelt. Und das ist das Unsichere, das wir fühlen, daß wir eigentlich einem bloßen Bilde, daß wir keiner Wirklichkeit gegenüberstehen. Woher kommt das? Das kommt davon her, daß dieses Ich, das wir vorstellen, so sein muß, wie es in der Vorstellung ist, weil in diesem Ich, in diesem vorgestellten Ich, schon die Kräfte für die nächstfolgende Inkarnation liegen. Also denken Sie, wenn wir das Ich bloß vorstellen, so haben wir uns nicht als Kraft in der Gegenwart, sondern wir haben uns da schon als Kraft für die nächste Inkarnation. Es ist gerade so, wie wenn die Pflanze, die den Keim in sich fühlt, sich vorstellen müßte: Dieser Keim, der bist eigentlich nicht du, sondern das ist die Pflanze, die erst im nächsten Frühling wachsen will. — So lebt in dem, was wir uns vom Ich vorstellen, die Kraft, die in der nächsten Inkarnation sich erst entfalten wird. Und sie muß sich so ausleben, diese Kraft; denn würden wir mehr haben in der gegenwärtigen Inkarnation, so würde das, was wir haben, nicht keimhaft, sondern es würde eine gegenwärtige Wirklichkeit sein; wir trügen keine Keimanlagen in uns für die nächste Inkarnation. Es muß also das vorgestellte Ich so abgeschwächt sein, daß es für die Gegenwart nicht wirksam ist, sondern die Keimkräfte für die nächste Inkarnation enthält.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-07-10","location":null,"word_count":333,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-07-10/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}