{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-07-10/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie sehen, es ist etwas, wie es sich sehr häufig im Leben findet, wie man es nur nicht beachtet. Wenn man den Dingen, die man immer nur von einem Gesichtspunkte aus anschaut, nachgehen würde, und sie unter einem anderen Gesichtspunkte aufsuchte, so würde man ganz merkwürdige Berührungspunkte finden, wie hier den Berührungspunkt zwischen Rousseau und der Zigeunerin. Das Leben ist eben ungemein vieldeutig, und nur wenn man sich auf solche Vieldeutigkeit des Lebens einläßt, dann ist man imstande, das Ich in dem Sinne, wie ich es auseinandergesetzt habe, zu bereichern, es immer stärker und stärker zu machen. Denn durch solche Zusammenhänge, die man draußen in der Welt aufsucht, aber im gewöhnlichen Leben nicht findet, wächst gewissermaßen dieses Ich auch als Vorstellung. Das ist sehr wichtig, daß man das beachte. Man wird dann finden, daß man gerade dadurch, daß man solche unter der Oberfläche des Daseins liegenden Zusammenhänge sucht, nicht in sich hineinbrütet, sondern gewissermaßen in die Welt hineinbrütet, nach solchen Zusammenhängen brütet. Man wird dann finden, daß das Vorstellen, das mit dem Ich verknüpft ist, immer reger und reger, immer beweglicher und beweglicher wird, und daß einem viele, viele andere Dinge einfallen, als einem sonst einfallen. Und das ist nun eigentlich erst so recht wichtig. Denn dasjenige, woran wir so leicht kranken, woraus wir so viele Unbefriedigtheit im Leben ziehen, das besteht gerade darin, daß uns bei den Dingen dieser Welt so wenig einfällt, daß wir mit unseren Gedanken gewissermaßen einen engen, engen Kreis ziehen. Kommen wir in die Lage, dasjenige, was uns im Leben erscheint, mit vielem, vielem zu verbinden, weite Fäden zwischen den Ereignissen und Erfahrungen und Erlebnissen zu suchen, dann wird unser Ich stärker, dann fühlt es sich auch zuletzt dem Leben mehr gewachsen, auch als Gedanken-Ich. Daher ist alle Erziehung des Menschen schädlich, die die Menschen nur auf einseitige Gedanken über ein und dasselbe Ding hinweist. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen, das, ich möchte sagen, in derselben Region gewachsen ist, wie das eben angegebene.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-07-10","location":null,"word_count":329,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-07-10/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}