Sechster Vortrag
Besonders charakteristisch kann sich dasjenige, was ich jetzt sagen will, an Menschen ergeben, welche in ihrer ganzen Charakteranlage dasjenige haben, was ich nennen möchte eine Art traumhaftes Seelenleben, nicht, daß sie vollständige Träumer sind, aber sie haben eine Art traumhaftes Seelenleben. Daher wird man das, was ich meine, ganz besonders stark ausgebildet finden bei Menschen, die mehr gegen den Osten hin leben. Je weiter man nach Westen geht, desto weniger leben sich durch die Menschen diejenigen Zusammenhänge aus, welche auf dieses geheimnisvolle geistige Reich, das ich meine, deuten. Deshalb wird auch der Westen Europas zum Beispiel, der mehr angewiesen ist auf grobe Zusammenhänge, die Seeleneigentümlichkeit des russischen Volkes so außerordentlich schwer verstehen, trotzdem in der Gegenwart auch dieses Verständnis ganz besonders notwendig wäre. Ich möchte sagen, das russische Volk ist heute noch um eine Nuance weniger wach als die westeuropäischen und sogar die mitteleuropäischen Völker. Daher knüpfen sich diejenigen Dinge, von denen wir jetzt sprechen, leichter an das Seelenleben eines russischen als an das Seelenleben eines westeuropäischen Menschen. Sie knüpfen sich schon auch an das Seelenleben eines westeuropäischen Menschen, aber sie sind eben nicht so auffällig, sie fallen einem nicht so auf, möchte ich sagen. Da hat ein deutscher Schriftsteller, Eduard Bernstein, eine ganz interessante Darstellung gegeben, die ich als Beispiel geben möchte. Er würde mir gewiß ganz übelnehmen, wenn ich das, was er erzählt, was er erlebt, für mystisch nähme. Aber deshalb ist das, was ich anführen will, doch ein gutes Beispiel für einen Lebenszusammenhang, der für den materialistisch denkenden Menschen nichts weiter ist als ein gewöhnlicher Zufall. Da erzählt der Betreffende, daß er in London viel verkehrt hat in dem Hause von Engels, des Freundes von Marx. Das Haus von Engels war ein sehr gastfreundliches, wo viele Menschen viel verkehrt haben, wo sich eine internationale Gesellschaft zusammenfand. Und da lernte Eduard Bernstein unter den Menschen, die dort verkehrten, auch den Sergius Kratschinsky kennen, der als Schriftsteller den Namen Stepniak geführt hat. Er ist ja unter diesem Namen sehr bekannt. Nun, er beschreibt ihn außerordentlich interessant, diesen Stepniak, und zunächst das äußere Leben dieses Stepniak:
Cite:
GA 176/1917-07-10/p020 · edition original