Sechster Vortrag

GA 176/1917-07-10/p027 ·1917-07-10 · original (original)
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Wie man sich solchen Irrtümern und Klippen und Klüften hingeben kann mit Bezug auf das vorstellende Ich, so kann man sich, ich möchte sagen, auch hingeben mit Bezug auf das wollende Ich. Das Wollen, das beachten wir eigentlich im gewöhnlichen Leben ebensowenig richtig — das wollende Ich, meine ich -, wie das denkende Ich. Sie können das schon daraus entnehmen, daß Leute, wie der von mir vor einiger Zeit angeführte Theodor Ziehen, auf das Wollen überhaupt nicht kommen. Sie finden im gegenwärtigen Menschen wiederum das Wollen nicht und sie haben, wie ich in öffentlichen Vorträgen jetzt an vielen Orten ausgeführt habe, damit nicht unrecht. Franz Brentano schaltet sogar das Wollen ganz aus von den Seelenkräften, unterscheidet nur Vorstellen, Urteilen und die Gefühlsphänomene des Liebens und des Hassens, so daß er das Wollen gar nicht in der Seele eigentlich anschaut. Er schaltet es auch als Psychologe aus. Und daran ist das richtig, daß, wenn man wiederum den Menschen, wie er in der gegenwärtigen Inkarnation ist, auf sein Wollen hin prüft, man das Wollen gar nicht findet. Man findet von dem Wollen im gegenwärtigen Menschen bloß, daß es einen befriedigt oder unbefriedigt läßt, daß es einem Freude macht, Trauer macht und dergleichen. Man findet sozusagen wirklich von dem Wollen nur den Gefühls-, den Gemütseindruck, aber das Wollen selber, es bleibt im Geheimnisvollen. Sie wissen nicht einmal, warum Sie eine Hand erheben; Sie wissen, warum, welches Gefühl Sie dazu verleitet hat, welche Vorstellung, aber wie Sie es machen, was eigentlich als Wille wirkt: Sie können es nicht im gegenwärtigen Menschen finden. Warum? Weil es nicht im gegenwärtigen Menschen drinnen ist. Das wollende Ich ist gar nicht im gegenwärtigen Menschen drinnen, sondern es ist das Ergebnis der vorigen Inkarnation. Was in der vorigen Inkarnation war, das lebt sich jetzt aus als Wille, der aus dem Ich herausfließt. Sage ich «Ich bin», so lebe ich in diesem Gedanken «Ich bin» in dem Keim der nächsten Inkarnation. Sage ich: «Ich will», dann lebe ich in dem, was herauswirkt aus der vorhergehenden Inkarnation in die gegenwärtige hinein.

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