Sechster Vortrag
Das ist außerordentlich interessant, weil es begreiflich erscheinen läßt, daß hier leicht Lebensenttäuschungen liegen können. Das Befriedigtsein oder Nicht-Befriedigtsein, das hängt ab von der Gegenwart, das liegt an dem gegenwärtigen Menschen, aber der Wille führt hinein aus dem Menschen der vorigen Inkarnation. Jedesmal, wenn ich irgend etwas vollführe, was mit den Worten ausgedrückt wird: ich will das oder jenes —, fährt der Wille aus der vorigen Inkarnation in meinen gegenwärtigen Gemütszustand hinein. Denken Sie, was das für ein geheimnisvoller Zusammenhang ist. Aber der Mensch im gewöhnlichen Leben wirft das alles durcheinander. Er glaubt: dieses Ich, das ist so irgendein geheimnisvolles Substantielles in seinem Innern, und einmal sagt es: «Ich denke», einmal «Ich war», einmal «Ich bin», einmal «Ich will». So ist es aber nicht; sondern wenn ich sage: «Ich bin», so entwickele ich eine Kraft, die jetzt in mir so ist wie die Keimkraft in der heurigen, in der diesjährigen Pflanze, die sich aber erst im nächsten Jahr entfaltet. Sowie ich sage «Ich bin», bin ich in einer Kraft, die Mensch wird in einer nächsten Inkarnation. Wenn ich sage: «Ich will», wirke ich aus einer Kraft heraus, die in mir war in einem vorhergehenden Erdenleben.
Cite:
GA 176/1917-07-10/p028 · edition original