Sechster Vortrag
Viele fragen immer wieder und wiederum: Ja, wie komme ich in ein näheres Verhältnis zu jener Wesenheit, die wir als den Christus ansprechen? — Man kann nicht eine einfache Formel geben: Mache es so oder so! — sondern gewisse wichtigere Dinge der ganzen Geisteswissenschaft sind heute so, daß sie einen in die Region des Christus führen, so wie er vorhanden ist. Nehmen Sie nur die Tatsache, die wir ja gut kennen: Als physischer Mensch ist der Christus doch nur zur Zeit des Mysteriums von Golgatha auf der Erde herumgewandelt. Also so ihn erleben, daß man ihn wie einen physischen Menschen in physischen Ereignissen erlebt, konnte man nur damals. Will man ihm heute nahekommen, dann muß man ihn suchen, wie er in der Erdensphäre lebt. Aber er lebt nicht in den groben Zusammenhängen, sondern er lebt in feineren Zusammenhängen. So daß gerade das, was ich Ihnen heute erzählt habe: Das Suchen nach feineren, entlegenen Zusammenhängen, das Sich-Schulen an feineren, entlegenen Zusammenhängen, die Menschen in jene Region des Bewußtseins hereinbringen kann, wo sie den Christus wirklich erleben. Freilich kann man da wiederum, ich möchte sagen, unsanft von einer materlalistischen Hand angefaßt werden. Es kann einer sagen: Nun ja, dann erzählst du uns, daß man den Christus eben nicht im gewöhnlichen Vorstellen erfassen kann, wie man es auf Naturdinge anwendet! — Menschen, die überhaupt einen solchen Gedanken anwenden, die also eigentlich aus der Empfindung heraus sprechen: es ist nur das berechtigt, was nach dem Muster der Naturdinge vorgestellt wird — das machen ja alle Materialisten -, die können überhaupt nicht so geführt werden, daß sie das Geistige wahrnehmen.
Cite:
GA 176/1917-07-10/p030 · edition original