Sechster Vortrag

GA 176/1917-07-10/p034 ·1917-07-10 · original (original)
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Er sagt: Das seelische Leben, das muß in bezug auf die Materie, in der dieses seelische Leben ist, individualisiert sein, denn man kann gewisse niedere Tiere zerschneiden, und jeder Teil zeigt wiederum dasselbe Leben wie das Ganze, das man in Teile zerschnitten hat. Sie wissen, gewisse niedere Tiere kann man zerschneiden, sie machen sich nichts daraus, es leben dann eben zwei weiter. Nun sagt er: Ja, da können wir uns keine andere Vorstellung bilden, als daß nunmehr in jedem der Teile ein selbständiges Seelisches lebt. Habe ich also einen niederen Wurm in zwei Stücke zerschnitten und jeder lebt wiederum, so ist in jedem Teilstück eine Seele. Er schließt daraus, daß das Seelische als ganz Einheitliches in dieser Weise mit dem Körperlichen verbunden ist. Und er gebraucht nun einen Vergleich, denken Sie, er sagt: So ist es doch auch bei dem Dreieck. Wenn wir einen Strich machen, so zerfällt es in zwei Dreiecke, da haben wir es geteilt, jedes ist ein Dreieck. Ich will jetzt nur dieses sagen: Er vergleicht also den Gedanken, den er beim Zweiteilen eines Wurmes hat mit dem Gedanken, den er beim Zweiteilen eines Dreiecks hat und macht sich das eine durch das andere klar. Zweiteilen eines Dreiecks ist ein einfacherer Gedanke als das Zweiteilen eines Wurmes; also man kann sich das eine durch das andere verdeutlichen. Aber gilt das? Brentano kommt es außerordentlich wichtig vor. Aber gilt das? Es gilt nicht! Denn, nehmen Sie an, Sie haben hier ein Dreieck. Gewiß, wenn Sie hier eine Linie ziehen, teilen Sie es in zwei Dreiecke. Jeder Teil ist wiederum ein Dreieck, wie beim Wurm, wenn er in zwei Teile zerschnitten wird. Aber teilen Sie das dann so ab, dann entstehen nicht zwei Dreiecke, sondern eines ist ein Viereck. Das heißt, Sie bekommen nur unter gewissen Voraussetzungen zwei Dreiecke; eines ist hier ein Viereck.

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Cite: GA 176/1917-07-10/p034 · edition original