{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-07-10/p035","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Vergleich gilt also nicht. Ein sehr scharfsinniger Mensch macht einen Vergleich. Aber der Vergleich gilt nicht. Sein Denken ist also nicht beweglich genug, nicht lebendig genug, um einen gültigen Vergleich zu finden. Er stolpert. Aber das hat Folgen. Denn würde er sich nicht durch einen solchen Vergleich täuschen lassen, daß man einen Wurm ebenso in zwei Teile teilt wie ein Dreieck, so würde er auf das Richtige kommen. Und er kommt nicht auf das Richtige. Wenn ich nämlich einen Wurm in zwei Teile teile, hat das nichts mit zwei Seelen zu tun, sondern die Gruppenseele wirkt in die zwei Teile hinein ebenso, wie wenn ich mein Bild im Spiegel ansehe, und den Spiegel in der Mitte in zwei Teile breche, so habe ich zwei Bilder, und ich habe mich doch nicht geteilt. Ich habe wohl zwei Bilder erhalten, aber ich habe mich nicht geteilt, sondern den Spiegel, dadurch sind es zwei Bilder geworden. Ebensowenig kann ich die Seele des Wurmes teilen; sie ist eine geblieben, wie ich einer geblieben bin, wenn ich in zwei Spiegeln mich spiegele, so ist die eine Seele in den zwei Wurmstücken vorhanden. Er konnte nicht zu dieser Vorstellung kommen, die der Realität entspricht, weil er sich in einem nicht genug beweglichen Denken durch einen falschen Vergleich hat täuschen lassen. Hätte er nämlich den Vergleich richtig gemacht, da, wo wirklich zwei Dreiecke sind, dann würde er sich gesagt haben: Ja, aber das bloße Teilen macht es nicht, daß da zwei Dreiecke sind, sondern es muß etwas dazu kommen. Wenn ich geteilt habe, muß wiederum die Idee des Dreieckes auf die beiden Teile anwendbar sein. Bloßes Teilen von außen gibt nicht zwei Dreiecke. Hier muß ich zwei Ideen anwenden: die Idee des Dreieckes und die Idee des Viereckes. Wäre er darauf gekommen, daß er ein und dieselbe Idee bei diesem Teilen anwenden muß, und daß nur diese ein und dieselbe Idee ihm die Garantie gibt, er habe in zwei Dreiecke geteilt, dann wäre der Vergleich richtig. Aber darauf war er nicht gekommen, daß die eine Wurmseele in beiden Teilen drinnen ist, aber von außen hineinschaut, wie derjenige, der vor dem Spiegel steht und in die beiden Teile des Spiegels hineinschaut.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-07-10","location":null,"word_count":364,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p035","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-10/p035"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-07-10/p035","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}