Erster Vortrag

GA 176/1917-07-31/p005 ·1917-07-31 · original (original)
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Ich möchte heute ausgehen von einer interessanten Persönlichkeit des neunzehnten Jahrhunderts, von einer Persönlichkeit, welche als Denker zu betrachten außerordentlich anziehend ist, weil auch diese Persönlichkeit, wie so vieles andere, in einer eigentümlichen Art dasjenige spiegelt, was in unserer Zeit lebt beziehungsweise gerade auch dasjenige, was in unserer Zeit in gewissem Sinne erstorben ist. Ich will ausgehen von dem interessanten Denker African Spir, der 1890 gestorben ist. Nicht viele Menschen kennen den interessanten Denker African Spir, der in der Mitte der sechziger Jahre in Leipzig begonnen hat, daran zu denken, eine Art Weltanschauung seinen Mitmenschen zu geben, der damals mit freimaurerischen Kreisen in Berührung gekommen ist, ohne daß diese Berührung ihm, außer Äußerlichkeiten, etwas Besonderes gegeben hätte. Denn African Spir ist ein eigentümlicher Denker, und wenn wir ihn nur ein wenig betrachten werden, zunächst so, wie man ihn betrachten kann, wenn man sich etwas in seine Schriften hineinliest, von denen die bedeutendste 1873 erschienen ist und den Titel trägt: «Denken und Wirklichkeit», so könnte man ihn als einen Denker betrachten, der nicht viel von äußeren Anregungen des neunzehnten Jahrhunderts ausgegangen ist, sondern der eine eigentümliche innere Wesenheit in seinem Denken, seiner Weltanschauung zum Ausdruck bringt. Man muß ihn zunächst eben so betrachten, wie er sich ergibt, wenn man seine Schriften liest. African Spir kommt gewissermaßen, man möchte sagen, wie intuitiv zu einer, vielleicht sehr wenig genügenden, aber doch beträchtlichen Erkenntnis vom Denken. Die Natur des Denkens, die beschäftigt ihn. Was tut der Mensch, wenn er denkt? Wie steht der Mensch zur äußeren Wirklichkeit der Sinne und zu der inneren Wirklichkeit des seelischen Erlebens, wenn er denkt?

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Cite: GA 176/1917-07-31/p005 · edition original