Erster Vortrag
Betrachten wir einmal die ganze Erscheinung geisteswissenschaftlich, so müssen wir uns sagen: Indem wir die äußere sinnliche Welt um uns herum haben, auch die Welt der Geschichte, in der der Mensch lebt, auch die Welt des Sozialen, sind wir auf dem physischen Plan. Im Denken, das heißt, wenn wir wirklich im Denken leben, sind wir nicht mehr auf dem physischen Plan. Nur wenn wir über das äußerlich Sinnliche denken, wenden wir uns dem physischen Plane zu und verleugnen unsere eigene Natur. Wenn wir uns aber bewußt werden, was da eigentlich im Denken lebt, so müssen wir erfühlen, daß wir mit dem Denken in der geistigen Welt drinnen leben. Also indem er ergreift, ich möchte sagen, das Abstrakteste, das dem Menschen gegeben ist, das bloße Denken, fühlte Spir die entschiedene Grenzscheide zwischen der physischen und der geistigen Welt. Und im Grunde genommen konstatiert er nichts anderes als: Der Mensch gehört zwei Welten an, der physischen und der geistigen Welt, und beide stimmen nicht miteinander überein. Wie aus einem Elementaren in der Natur heraus, kommt Spir darauf: Es gibt eine geistige Welt. Er spricht das nicht so aus, aber indem er erklärt, daß alles dasjenige, was im Natur-, Geschichts- und sozialen Leben um uns herum ist, nur Schein ist, und nicht übereinstimmt mit einer Welt, die gegeben ist im Denken — wenn auch nur im abstrakten Denken uns gegeben ist, wenn auch nicht dem Schauen -, stellt er fest, daß diese zwei Welten durch eine scharfe Grenze voneinander geschieden sind.
Cite:
GA 176/1917-07-31/p008 · edition original