Erster Vortrag

GA 176/1917-07-31/p009 ·1917-07-31 · original (original)
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Wenn man dann näher eingeht auf die Art, wie Spir diese seine Weltanschauung darlegt, so findet man allerdings, daß sie dem Menschen des neunzehnten Jahrhunderts schwierig werden mußte. Man verstand ihn natürlich deshalb nicht. Er hatte ja, ich möchte sagen, wie in einem Punkt, nämlich in das Denken konzentriert, die ganze geistige Welt nur vorgetragen, von dem übrigen der geistigen Welt nichts gewußt, nur scharf betont, daß nach der Art, wie er das Denken erlebte, diese geistige Welt da ist, und daß die andere Welt nicht mit ihr übereinstimmt. Das hatte zur Folge, daß er sagte: Wir können schon die Wahrheit finden, aber niemals in der äußeren Welt. Die äußere Welt ist überhaupt unwahr; die äußere Welt ist unvollkommen. — Und in scharfer Weise betonte er das. Er fühlte sich unverstanden, trotzdem er nach seinem eigenen Ausspruch glaubte, daß diese seine Erkenntnis die bedeutendste Tat der Geschichte sei, denn sie zeige ein für allemal, daß in der äußeren Welt keine Wahrheit sein kann. Er fand kein Verständnis. Er griff sogar zu einem Auskunftsmittel: Er schrieb einen Preis aus, man solle ihn widerlegen. Um den Preis hat sich niemand beworben. Man hat nicht versucht, ihn zu widerlegen. Er hat alle Qualen, die der Denker durchleben kann durch das sogenannte Totschweigen, durchlebt. Er wurde, nachdem er lange in Tübingen, dann in Stuttgart gelebt hatte und wegen seiner Lungenkrankheit nach Lausanne verzogen ist, im Jahre 1890 in Genf begraben. Auf seinem Grabe liegt als Grabstein das Evangelium, ein in Stein nachgebildetes Buch, mit den Anfangsworten des Johannes-Evangeliums, das heißt: «Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.» Und dazu die Worte «fiat lux», die seine letzten Worte waren, die er gesprochen hat, bevor er dahingeschieden ist.

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