Erster Vortrag

GA 176/1917-07-31/p012 ·1917-07-31 · original (original)
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African Spir konnte sie noch nicht in die geisteswissenschaftlichen Vorstellungen kleiden, er kleidete sie deshalb in die Vorstellungen Spencers, Lockes, Kants, Hegels, Taines, das heißt, er kleidete sie in jene abstrakte Begriffswelt, die in Wirklichkeit doch nur ein Nachdenken der natürlichen Welt, jedoch kein Leben im Denken selber ist. Ich möchte sagen, daß dasjenige, was embryonal in African Spir lebte, wie erstorben ist in der westeuropäischen Kultur, aber so erstorben, daß man in den Sterbeformen noch erkennt, was eigentlich eingeflossen ist in diese Formen, was in diese Formen hinein erstorben ist. Deshalb ist er eine so interessante Übergangsfigur. Deshalb zeigt er so recht, wie es eine tiefe innere Wahrheit ist, was in der Geisteswissenschaft immer wieder und wiederum betont werden muß, daß eigentlich die europäische Bevölkerung wie ein auseinandergelegter Seelenmensch ist. Die westlichen Völker auseinandergelegt in Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, die mitteleuropäischen Völker Ich-Seele, die osteuropäischen Völker Vorbereitung für das Geistselbst. Man kann sagen, daß einem heute vorschweben kann eine künftige Behandlung der Geschichtswelt. Die Geschichtswelt wird so ungenügend wie möglich in der Gegenwart eigentlich zur Darstellung gebracht. Man stellt immer die Tatsachen der Geschichte dar, aber diese Tatsachen als solche genommen sind nicht das Wesentliche. Wer bloß an die Tatsachen der Geschichte geht, gleicht einem Menschen, der den «Faust» vornimmt und die Buchstaben beschreibt, die Seite für Seite dastehen, aber es kommt jemandem, der wirklich den «Faust» kennenlernen will, nicht auf den Buchstaben an, sondern auf das, was er durch die Buchstaben kennen lernt. So wird einmal eine Geschichtsbetrachtung Platz greifen, der es geradesowenig auf die Tatsachen ankommt, wie es beim Lesen eines Buches auf die Beschreibung der Buchstaben ankommt, eine Betrachtung, welche lesen wird in den Tatsachen dasjenige, was hinter den Tatsachen der Geschichte steht, wie der «Faust» hinter den Buchstaben, die auf dem Papier vorhanden sind. Wenn das auch radikal gesagt ist, so deutet es doch auf das Richtige hin. Wenn man aber die Geschichte so betrachten wird, wird man sie als Symptomengeschichte auffassen, dann wird man so etwas wie African Spir als Symptom ansehen, wie ost- und mitteleuropäisches Wesen gerade in den Elementen der Seele ineinanderwachsen.

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