Erster Vortrag
Denken Sie sich, vor welchem Ereignis wir da stehen! Wir sehen die äußeren Ereignisses sich abspielen, und wir sehen Menschen mitten drinnen handelnd stehen, die ganz anders denken! Menschen stehen in diesen Ereignissen drinnen, die ganz vernünftig denken, aber die Ereignisse wachsen ihnen über den Kopf. Warum wachsen ihnen diese Ereignisse über den Kopf? Weil versäumt worden ist, die Gedanken mit dem geistigen Element zu verbinden. Diejenigen Gedanken, die nicht mit dem geistigen Element verbunden sind, die sind nicht wirksam in der Welt. Nur diejenigen Gedanken sind wirksam in der Welt, die mit dem Geistigen in der Welt verbunden sind. Ist es denn nicht heute geradezu ein Dogma — wenn es auch nicht in der Form ausgesprochen wird —, daß derjenige, der sich im äußeren sozial-politischen Leben betätigt, ja nicht zu den Denkern gehören darf! Es ist ein Fehler, wenn er Gedanken entwickeln kann. Denn ein Mensch, der Gedanken entwickelt, den hält man für einen unpraktischen Menschen, der nichts von der Wirklichkeit versteht. Während nur die wirklichen Gedanken in die Wirklichkeit eingreifen können, und niemals diejenigen Gedanken, die von denen kommen, die man heute als der Wirklichkeit gewachsen hält. Oder sollte es denn wirklich vernünftig sein, daß für einen großen Politiker ein Mensch ausersehen wird, der sich besonders gut aufs Angeln versteht, mehr als einer, der denken kann? «Flyfishing» heißt das Buch, das über das Angeln Sir Edward Grey geschrieben hat, «Flyfishing», das Angeln mit der Fliege, und das war im Grunde genommen dasjenige, was seine ganze Seele ausfüllte. Ich habe schon einmal erwähnt: Ein Ministerkollege von ihm hat einmal nicht mit Unrecht gesagt: Der Grey ist so furchtbar konzentriert, weil er niemals einen eigenen Gedanken hat, der ihn von der Konzentration abhalten kann, sondern immer dasjenige aufnimmt, was ihm die anderen eingeben. — Dieser Ministerkollege hat wohl das Richtige getroffen. Also diejenigen Menschen, die sich gut verstehen auf das Flyfishing, die sollen sich nach den Auffassungen unserer Zeit auf die Politik verstehen; aber ein Fehler soll es sein, wenn jemand Gedanken hat. Aber gerade diese Anschauung ist diejenige, die in unseren Tagen Schiffbruch gelitten, die sich als die unmögliche erwiesen hat. Denn sie hat zu alle dem geführt, was ich wiederholt und auch heute wiederum auseinandergesetzt habe.
Cite:
GA 176/1917-07-31/p024 · edition original