{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-07-31/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Seien wir uns nur klar darüber: Dasjenige, was heute als fähig angesehen wird, Staatswissenschaft, Staatskünstlerisches aufzubauen, ist unfähig, solche aufzubauen. Warum denn? Wenn wir nachdenken über die Welt, und nur nachdenken will ja unsere Zeit, das will sie bloß haben, was ich vor vielen Jahren — Sie können darüber nachlesen in meinem Buche «Goethes Weltanschauung» — Tatsachenfanatismus genannt habe; vor einer noch größeren Anzahl von Jahren habe ich es in meiner Einleitung zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften in Kürschners Nationalliteratur «Dogmatismus der Erfahrung» genannt. Diejenigen, die solches Denken entwickeln, das bloßes Nachdenken der natürlichen Geschehnisse oder der geschichtlichen Ereignisse oder des äußeren sozialen Lebens ist, die entwickeln Gedanken, welche lediglich ahrimanische sind. Deshalb brauchen sie nicht unrichtig zu sein, aber sie sind ahrimanisch. Ahrimanisches muß in der Welt sein. Der gesamte Inhalt der Naturwissenschaft ist ahrimanisch. Er wird erst seiner ahrimanischen Natur entkleidet, wenn er belebt wird, wenn das Denken sich loslöst von dem bloßen Nachdenken, wenn es schöpferisches Denken wird, wenn es durchdrungen, durchflossen wird von dem, was in den geistigen Welten lebt. Will man soziale Gesetze formen, Rechtsgesetze formen, und man stützt sich auf bloßes Nachdenken, so stützt man sich ja bloß auf Ahrimanisches. Ahrimanisches führt aber immer, da wo es nicht sein soll, zur Ertötung desjenigen, in dem es lebt; zum Ersterben, zum Auflösen. Das Heil unserer Zeit kann nur dadurch entstehen, daß gerade mit Bezug auf alles, was das soziale Leben befruchten soll, das Rechtsleben, das Staatsleben, daß mit Bezug auf das alles solche Gedanken eingreifen, die in lebendigem Zusammenhang mit der geistigen Welt stehen. Das aber wollen heute noch wenig Menschen glauben. Denn was müßten sie dann glauben, diese Menschen? Man merkt, wenn man den Menschen heute vom Geiste spricht, daß sie sich wehren. Was sie dann im Bewußtsein haben, das will nicht viel besagen, was aber im Unterbewußten, im Unbewußten lebt, das will recht viel besagen. Was im Unterbewußten lebt, das ist nämlich ein unbewußtes schlechtes Gewissen, ein richtiges schlechtes Gewissen. Die Menschen wollen sich nicht gestehen, daß sie Totes denken, Ahrimanisches denken. Und daher lassen sie es nicht bis zu dem Gedanken kommen. Denn in dem Augenblick, wo man sich zum lebendigen Ergreifen der geistigen Welt aufschwingt mit dem Denken, in diesem Augenblick muß man eben gewahr werden, daß man Ahrimanisches denkt. Davor fürchtet man sich aber. Furcht ist es, was die Menschen heute davon abhält, sich vom bloßen Nachdenken zum produktiven Denken zu erheben, was allein da sein kann, wenn es inspiriert ist - mag es auch unbewußt inspiriert sein —- von den geistigen Welten aus.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-07-31","location":null,"word_count":423,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-31/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-07-31/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-07-31/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}