Dritter Vortrag
Bei uns ist es jetzt so, daß — allerdings unbewußt — in unseren sinnlichen Wahrnehmungen im Leben zwischen Geburt und Tod die Angeloi wohnen. Ja, wenn wir unsere Augen aufmachen und hinausschauen in die Welt, die uns umgibt und auf unsere Sinne wirkt, so wissen wir zwar nicht, daß, während der Sonnenstrahl in unser Auge dringt und die Dinge sichtbar werden, auf dem Sonnenstrahl der Ort zu finden ist, auf dem unser Engel wohnt. Aber es ist so: In den Schwingungen des Tones, in den Strahlungen des Lichtes und der Farben, in den anderen Sinneswahrnehmungen lebt die Wesenheit der Angeloi. Nur indem der Mensch die Sinneswahrnehmungen verwandeln muß in Vorstellungen, dringen die Angeloi nicht in das Vorstellungswesen mit ein, und der Mensch weiß nicht, wie er umgeben ist von der Wesenheit der Angeloi. Im allgemeinen sagt man in geisteswissenschaftlichen Vorträgen oftmals, man solle sich die geistige Welt nicht in einem Wolkenkuckucksheim vorstellen, sondern man soll sich vorstellen, daß uns die geistige Welt überall umgibt. Sie umgibt uns tatsächlich überall. Man kann auch konkret hinweisen, wie sie uns umgibt. Hier haben wir den Fall für die Angeloi; doch in unseren Intellekt kommt in der Zeit des Lebens zwischen Geburt und Tod das Bewußtsein nicht von dem Angeloi. Dagegen entwickelt der jetzige Mensch ein starkes Bewußtsein von seinem Zusammenhange mit den Wesen der Angeloi in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt; denn da wohnen gewissermaßen die Angeloi in seinem Intellekt.,
Cite:
GA 176/1917-08-14/p010 · edition original