{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-08-14/p021","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Alles Interesse Ahrimans ist darauf gerichtet, die Menschen von dem Geistigen abzulenken und hinzulenken auf das Materielle, das zwar auch ein Geistiges ist, aber ein in der Erde verborgenes. Und gar mancherlei Finten und Listen gebraucht Ahriman, um die Menschen möglichst davon abzubringen, irgend etwas Kosmisches in die Christus-Persönlichkeit hineinzubringen. Man kann ja heute sogar schon — besonders in sozialdemokratischen Schriften ist das gar nicht selten — ein merkwürdiges ahrimanisches Christus-Bild finden, welches alles Überirdisch-Geistigen entkleidet ist, das nur rein menschlich sein soll, gar nicht zu reden von den Malern, die alles Mögliche getan haben, um das Kosmische aus der Christus-Gestalt herauszuexpedieren. Ich habe vor vielen Jahren hier in Berlin einmal eine Ausstellung von ChristusBildern gesehen, eines neben dem anderen. Ich habe den Katalog heute noch, worin ich mir meine Anmerkungen machte: ein ahrimanisches Christus-Bild neben dem anderen! Und wieviele Wanderapostel, welche heute in dieser oder jener Weise sektierend offiziell oder inoffiziell von dem Christus sprechen, wissen nicht, wie Ahriman ihnen im Nacken sitzt und sie verleitet, sein Bild von dem Christus-Impuls zu zeichnen, und nicht dasjenige, welches im Christus-Impuls selbst wirkt. Aber dieses Bild, das im Christus-Impuls selbst wirkt, kann im Sinne unserer Zeit durch nichts anderes dargestellt werden als durch die Mittel der Geisteswissenschaft. Indem die Geisteswissenschaft von denjenigen Schauungen handelt, welche man hat, wenn man außerhalb des Leibes ist, hat sie wieder die Möglichkeit, das Christus-Bild in seiner wahren Gestalt zu schauen. Solange man im Leibe ist, muß man sagen: Das Auge kann zwar die Farben sehen, aber nicht sich selbst. Wenn Sie sich in der Geistesschau aus dem Leib herausbegeben — wenn Sie sich selbst sehen, sehen Sie das Auge -, so sehen Sie den Christus-Impuls durch den Christus-Impuls. Denn die Geisteswissenschaft kann das ersetzen, was keine Historie geben kann: eine Schilderung des Christus-Begriffes kann sie geben. Wie die Geisteswissenschaft den Menschen dahin bringen kann, über das Auge zu schauen, so kann sie es dahin bringen, über den Christus-Impuls, durch den sonst die geistige Welt gesehen wird, zu sprechen. Dadurch wird es zwar erreicht, daß über den Christus-Impuls Vorstellungen gewonnen werden können, aber die Attacken Ahrimans werden deshalb nicht weggeschafft; ihnen muß man sich vielmehr tapfer und mutig gegenüberstellen. Und daß die Menschen den Christus-Begriff nicht durch Geisteswissenschaft ins Auge fassen wollen, das rührt davon her, daß sie eine unterbewußte Furcht davor haben, daß der Christus-Impuls, sobald er durch Geisteswissenschaft gesehen wird, an den Widerstand Ahrimans stößt. Wie kommt das jetzt, in unserer Zeit, zum Vorschein?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-08-14","location":null,"word_count":410,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-08-14/p021","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-08-14/p021"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-08-14/p021","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}