Dritter Vortrag

GA 176/1917-08-14/p025 ·1917-08-14 · original (original)
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Die Menschen wollen nicht fertig werden durch ein reales Sichgegenüberstellen mit den Kräften, mit denen man fertig werden muß; sie wollen den Widerstreit aus der Welt schaffen. Dadurch entstehen alle möglichen Dinge. Will man einen solchen Widerstreit aus der Welt schaffen, so muß er auf eine andere Weise zum Vorschein kommen. Das, was angerichtet wird von denjenigen, die den Widerstreit aus der Welt schaffen wollen, ist nicht schön. Es ist fast so, wie es ist — auf geisteswissenschaftlichem Gebiete tätig sein, gibt einem ja immer Gelegenheit, solche Erfahrungen zu machen -, wenn immer wieder und wieder Menschen kommen, die aus tiefstem Bedürfnis heraus die Frage stellen: Warum ist das Übel, ist der Schmerz in der Welt? — Solche Fragen sind leichter zu stellen, als man glaubt; denn die Menschen stellen oft diese Frage, um zu begreifen, wie es mit der guten Gottheit zusammenhängt, daß sie das Übel in der Welt zulasse. Was man zur Beantwortung solcher Fragen tun kann, das ist, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, daß sie doch jedenfalls nicht leugnen werden, daß das Gute in der Welt, das Vortreffliche, das Weisheitsvolle ein Göttliches ist. Wollen sie überhaupt die Güte Gottes rechtfertigen, so stehen sie schon auf dem Boden, daß sie das Weisheitsvolle dem guten Gotte zuschreiben. Warum läßt er aber das Übel zu? Ich kann nur immer so sagen: Fangen Sie bei einem atomistischen, bei einem kleinen Schmerz an; Sie ritzen sich und empfinden dadurch einen Schmerz. Jeder Schmerz beruht darauf, daß irgend etwas einer Zerstörung ausgesetzt ist. Es ist nur nicht immer durchsichtig, auf welche Weise der Schmerz entsteht, aber es ist so. Stellen wir uns aber nun vor, daß nicht mit dem Messer geritzt würde, sondern daß wir irgendwo eine besonders empfindliche Stelle hätten und sehr heiße Sonnenstrahlen darauf fielen. So könnte an etwas, wo noch nicht eine Blase ist, aber anfängt eine zu werden, eine Änderung des Gewebes entstehen, und es könnte dort ein kleiner Schmerz sich bemerkbar machen. Könnte stärker, durch eine größere Empfindlichkeit, die Sonnenwärme wirken, so könnte eine größere Verletzung geschehen. Und stellen Sie sich nun vor: an einer Stelle unseres Hauptes waren vor Äonen von Jahren zwei Stellen von besonderer Empfindlichkeit für die Sonnenstrahlen vorhanden. Sehen konnte der Mensch damals noch nicht, aber an jenen zwei Stellen mußten die Sonnenstrahlen jedesmal, wenn die Sonne aufging, ihm wehe tun. Da konnte ihm das Gewebe verletzt werden, und ein Schmerz mußte entstehen. Durch lange Zeiträume mußte dieser Vorgang sich abspielen, und die Ausheilung bestand darin, daß an jenen Stellen aus der Ausheilung die Augen entstanden. Auf dem Grunde der Verletzung entstanden die Augen. Und so wahr wie es ist, daß uns die Augen die Schönheit der Farbenwelt vergegenwärtigen, so wahr ist es, daß die Augen nur auf Grundlage der Verletzungen von besonders lichtempfindlichen Stellen durch die Sonnenwärme entstanden.

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Cite: GA 176/1917-08-14/p025 · edition original