{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-09-04/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun kann man zwar, ich möchte sagen, auf gewisse Punkte im Leben der Gegenwart nicht vom Eingeweihten-Standpunkte aus hindeuten, weil etwas Ungeheuerliches daraus erfolgen könnte; aber auf manche Sachen kann man, muß man und soll man hindeuten. Da ist zum Beispiel ein deutscher Universitätsprofessor. Ich will über den Mann gar nichts Schlimmes sagen, sondern alles mögliche Gute, aber ich will ihn sachlich charakterisieren. Dieser Mann ist ein großer Gelehrter, ein bedeutender Gelehrter auf dem Gebiete der 'Theologie. Er hat viel studiert. Doch das Theologiestudium hat ihn zwar gelehrt gemacht, aber nicht wachend, nicht dasjenige sehend, was in der Welt Wirklichkeit ist. Nun hat er als Theologieprofessor die Aufgabe, über Religion und Religionswissenschaft, über das, was in der Religion verehrt wird, über überirdische Mächte zu sprechen. Das ist den 'Theologieprofessoren heute eine recht unbehagliche Sache. Daher reden sie gern mehr über religiöse Zustände, über die Art und Weise, wie die Seele empfindet, wenn sie der geistigen Welt gegenübersteht. Nun liegt bei diesem Professor etwas Besonderes vor. Er hat, wie alle Menschen in der Gegenwart, die seiner Art sind, eine gewisse Furcht vor der geistigen Welt, vor ihrem Enthüllen und ihrem Eingießen in wörtliche Definitionen, in wirkliche Vorstellungen. Diese Angst habe ich Ihnen öfter charakterisiert: sie ist rein ahrimanischen Ursprunges. Der Betreffende fühlt: wenn er auf der einen Seite nach dem Durchdringen der materiellen Welt in die geistige Welt hineinkommt, so begegnet er Ahriman. Er muß Ahriman überwinden, muß ihn beiseiteschaffen. Nun sehen wir, ein solcher Theologe steht nun vor der großen, die Geistigkeit offenbarenden Natur; irgendwie darauf eingehen will er nicht. Was sich da durch die Natur offenbart an Wesenheiten der höheren Hierarchien, das ist ja heute nicht wissenschaftlich; doch den Seelenzustand beim religiösen Erleben will er untersuchen. Aber indem man den Seelenzustand untersuchen will und eigentlich nicht auf die wirkliche geistige Welt eingeht, verfällt man eben sehr leicht jenem Seelenzustande, den man gerade den ahrimanischen Mächten gegenüber haben kann. Ein Teil des religiösen Gefühls ist daher für diesen Theologen die Furcht, die Scheu vor dem Unbekannten. Das Unbekannte möchte er auf keinen Fall zu einem Bekannten machen. Aber die Scheu, die Furcht vor dem Unbekannten, die nun gerade von ahrimanischen Wesen herkommt, registriert er als ein Glied im religiösen Fühlen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-09-04","location":null,"word_count":370,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-09-04/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-09-04/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-09-04/p015","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}