{"corpus":"steiner","locus":"GA 176/1917-09-04/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So beginnt eine Zeit, in der es wirklich von besonderer Wichtigkeit ist, dasjenige, was ich namentlich in diesen letzten Betrachtungen andeutete, recht genau ins Seelenauge zu fassen. Zu einem Bewußtsein einer allgemeinen Göttlichkeit oder Geistigkeit der Welt kommen heute zahlreiche Menschen; zu einem wirklichen Christus-Bewußtsein kommen selbst Menschen nicht von der Art Hermann Babrs, wie ich es Ihnen mitgeteilt habe, als ich über seinen Aufsatz «Vernunft und Wissenschaft» sprach. Er sucht Anschluß beim allerpositivsten Christentum der Gegenwart: bei Rom. Aber so viel er auch redet: irgendein Bewußtsein, den Christus-Impuls zu suchen, kann man in dieser ganzen Schrift «Vernunft und Wissenschaft» bei Hermann Bahr nicht finden. Gerade dies aber ist die Notwendigkeit in unserer Zeit: immer klarer und klarer gerade über den Christus-Impuls zu werden. Im Laufe des verflossenen Jahrhunderts haben wir den großen Aufschwung der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart erlebt mit alle dem, was sie im Gefolge hatte. Dieser erste große Aufschwung der naturwissenschaftlichen Denkungsart hat auch zu einem theoretischen Materialismus geführt, der von einem religiösen Atheismus begleitet war. Der Atheismus hat ja in gewissem Sinne bei den Materialisten des neunzehnten Jahrhunderts wahre Orgien gefeiert. Aber solche Dinge schlagen um, und dieselbe Denkungsweise, welche aus gewissen luziferisch-ahrimanischen Impulsen heraus beim ersten Aufschwung der Naturwissenschaften die Menschen atheistisch werden ließ, wird sie gottgläubig werden lassen, wenn der erste Taumel vorüber ist. Aus dem, was Darwin gelehrt hat, ist es ebensogut möglich, daß man gottgläubig werden kann, wie daß man Atheist werden kann. Es ist wirklich so, daß die Medaille auf die eine Seite und auf die andere Seite gelegt werden kann. Aber christlich kann man nicht aus dem Darwinismus werden, kann es auch nicht aus dem Aufschwung der modernen Naturwissenschaft werden, wenn man nur bei diesem Aufschwung stehenbleibt. Dazu gehört etwas ganz anderes: dazu gehört das Verständnis für eine gewisse Seelenverfassung in den Fundamenten. Welche Fundamente meine ich?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-09-04","location":null,"word_count":305,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-09-04/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/176/1917-09-04/p019"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/176/1917-09-04/p019","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}