Sechster Vortrag

GA 176/1917-09-04/p023 ·1917-09-04 · original (original)
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Wie stand man, lassen Sie mich das noch zum Schlusse sagen, allein da, als man vor 1914 in objektiver Weise die ganze verworrene Denkweise Woodrow Wilsons charakterisierte. Ich habe auf das, was Sie über Wilson finden können, in meinem Helsingforser Zyklus aufmerksam gemacht. Das war in der Zeit, als die übrige Literatenwelt, weil damals gerade von Wilson «Nur Literatur» und anderes übersetzt war, zu den Füßen von Woodrow Wilson gelegen hat, und wie wurde damals die «große, vornehme, unbefangene» Denkweise Wilsons hervorgehoben, vielfach von denen hervorgehoben, die jetzt ganz gewiß anders sprechen. Aber was war dazu notwendig? War Einsicht notwendig, oder etwas ganz anderes als Einsicht, um zu dieser Umkehr zu kommen? Dies aber ist notwendig, daß genauer auf das hingesehen wird, was Geisteswissenschaft bringen soll an Verbindung mit der gesamten Wirklichkeit, an Urteilen über die Wirklichkeit, gegenüber dem, was heute an Unwirklichkeit auf allen Gebieten und an wesenlosen Abstraktionen herrscht. Ich empfehle Ihnen, wenn Sie die Ideen der Zeit so genießen wollen wie jemand, der etwa, um eine Orange zu genießen, dieselbe zuerst zwischen zwei Eisenpfosten zerquetscht, um allen Saft herauszubringen, und nur was übrig bleibt verspeist, dann lesen Sie die ausgepreßten, die ausgequetschten Ideen der Zeit, welche Georg Simmel geschrieben hat über den Geistgehalt dieses Krieges. Da haben Sie ein Musterbeispiel von den in der Gegenwart «geistvollen» Darlegungen, die nichts, aber auch gar nichts enthalten, sondern die nur ausgepreßte, ausgequetschte und inhaltleerste Begriffe sind. Wollen Sie sich ein solches Musterbeispiel einer solchen abstrakten, inhaltleeren Schrift der Gegenwart leisten, so finden Sie es in der Schrift «Der Geistgehalt dieses Krieges» von Georg Simmel. Denn es ist von dem berühmten Philosophen, dem Erneuerer des modernen Denkens, der an der Berliner Universität den größten Zulauf hatte, der auch nie einen wirklichen Gedanken gehabt hat, aber der gerade in unserer Zeit berühmt geworden ist.

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