Achter Vortrag

GA 177/1917-10-13/p010 ·1917-10-13 · original (original)
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Zu solchen Errungenschaften bringt es das abstrakte Denken, wenn es sich mit der Wirklichkeit abgibt. Man muß heute den Menschen erst darauf aufmerksam machen, wie schauderhaft so etwas ist, wenn er es empfinden soll. Und man muß sich immer wieder nur wundern, daß diese Dinge eigentlich an der Menschheit vorbeigehen, ohne daß sie sich viel Gedanken darüber macht. Natürlich ist im Grunde genommen ein solcher Gedanke aus dem Weltanschauungsstreben der Gegenwart herausgeholt. Denn, wozu hat es dieses Weltanschauungsstreben gebracht? Eben zu den allerabstraktesten Begriffen; die sind aber nur auf das Tote anwendbar, auf das Mineralische, auf das Unorganische. Wenn nun der Philosoph kommt und wendet das, was nur auf das Tote anzuwenden ist, nicht nur auf das Lebendige, sondern sogar auf das Geistig-Seelische an, so ist es ganz natürlich, daß er zu solchen Dingen kommt. Denn gegenüber dem Toten muß ja der Mensch fortwährend nach dem Grundsatz handeln: Was ist schließlich so und so viel Zentner Substanz gegenüber dem, was man aus der Sache macht? - Man könnte nicht bauen, wenn einem die Verpflichtung auferlegt wäre, gegenüber jedem toten Stein das Bestandsrecht geltend zu machen; selbstverständlich, man könnte das nicht. Aber man darf eben nicht auf das Menschenleben übertragen, was nur für das Unorganische, für das Leblose gilt. Und nur für das Unorganische, für das Leblose gelten die Begriffe, die sich die Naturwissenschaft heute herausgebildet hat. Es wird aber heute fortwährend übertragen, man merkt es nur nicht. Und solche Urteile, die immer wieder nach der Richtung gehen, daß man zu einem Ende dieses Krieges nicht kommen soll, bevor die schon charakterisierte Aussicht vorhanden ist, solche Urteile schließen nichts anderes ein als das, was der Philosoph nur in einer brutalen, aber wie ihm scheint außerordentlich erhabenen Redeweise zum Ausdruck gebracht hat; nur daß die andern sich schämen, so zu reden wie der Philosoph, weil der Philosoph die Brutalität hinter der Schönheit der Worte verbirgt. Er sagt natürlich allerlei sehr Erhabenes, indem er jongliert mit den Begriffen Ewigkeit und Zeitlichkeit, ewiges menschliches Werden, vergängliches zeitliches Sein von so und so viel Tonnen organischer Substanz, aber nicht achtend der Tatsache, daß in jedem einzelnen Menschen die Ewigkeit, die Unendlichkeit lebt und daß jeder einzelne Mensch so viel wert ist wie die ganze unorganische Welt zusammen!

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