Achter Vortrag

GA 177/1917-10-13/p011 ·1917-10-13 · original (original)
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Diese Dinge, die jetzt besprochen worden sind, liegen auch den künstlerischen Formen zugrunde, die hier auf diesem Hügel sich entfalten wollen. Denn auch die Kunst ist allmählich hineingekommen in die, ich möchte sagen, gewichtslose, wesenlose Weltauffassung. Unsere Weltauffassung muß wiederum an das Wesen der Dinge herankommen. An das Wesen der Dinge kommt man nur heran, wenn man an den Geist herankommt. Daher müssen wir andere Formen haben, als was heute überall in der Kunst an Formen erscheint. Unsere Zeit muß, mit andern Worten, wiederum etwas aus dem Geiste heraus Schöpferisches bekommen. Das ist selbstverständlich vielen Leuten heute unbequem. Aber machen Sie sich nur klar, in welch starkem Maße unsere ganze Weltauffassung nach und nach in das Tote hineingekommen ist, indem sie auch nur noch mit dem Toten gearbeitet hat. Sehen Sie sich einmal die Bauten, und sehen Sie sich schließlich die andern «Kunstwerke» des 19. Jahrhunderts an: Was sind sie schließlich, als ein immer wieder und wieder Aufwärmen alter Baustile und dergleichen. Man hat im antiken, im Renaissance-, im gotischen Stile gebaut, das heißt immer in etwas Abgestorbenem. Man ist nicht zum Ergreifen des unmittelbar Lebendigen gekommen. Dazu muß man wieder kommen. Das wird einen ganz neuen Geist bilden. Dazu sind schon einzelne Opfer notwendig, die auch reichlich gebracht werden müssen. Aber so etwas, wie das da draußen stehende Haus, das aus dem Betonmaterial heraus mit neuen Formen geschaffen worden ist, ist eine Pionierarbeit. Und nicht allein die Tatsache, daß diese Formen gedacht worden sind, kommt in Betracht, sondern die Tatsache, daß die Möglichkeit herbeigeführt worden ist, so etwas einmal in die Welt hineinzustellen, kommt schon in Betracht. Diese Dinge muß man ins Auge fassen in ihrer ganzen Gewichtigkeit, sonst wird man auch nicht verstehen, was hier auf diesem Hügel geschaffen werden soll. Der ganzen Natur der Sache nach muß ja das, was auf diesem Hügel geschaffen wird, in Widerspruch und in Widerstreit stehen mit dem, was in der übrigen Welt heute geschaffen wird.

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Cite: GA 177/1917-10-13/p011 · edition original